Dinge auf die man stolz sein kann
Studentin beim Auslandssemester

Clarissa Koppe | Studiert an der TU Braunschweig


Wo
Murdoch University

Zeitraum
2017

Was
Pharmazie

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2017

Zwischen Textbooks und Wochenendtrips

Fotografie Auslandssemester

Hintergrund/ Planung

Als Pharmaziestudentin im Hauptstudium der TU Braunschweig hatte ich mir schon länger gewünscht meine eher unflexible und starre Studienzeit mit einem Auslandsaufenthalt etwas aufzulockern und zu entschleunigen. Das Pharmaziestudium gilt als ein sehr lernintensives, hartes Studium, welches viel von den Studenten abverlangt. Da ich allem Anschein nach als Einzige aus meinem Freundeskreis dieses Studium in Regelstudienzeit abschließen würde, dachte ich mir, könnte ein beurlaubtes Auslandssemester nicht schaden.

Also erkundigte ich mich, welche Möglichkeiten mir offen stünden und wendete mich an das International Office der TU, welche mir das Institut Ranke-Heinemann und ihr attraktives Förderprogramm für den weiteren Bewerbungsprozess empfiehl. Schon im Vorhinein wusste ich, dass es schwierig werden würde, die im Ausland erbrachten Leistungen an meiner Heimat-Uni anrechnen lassen zu können, da das Fach Pharmazie in Deutschland nach wie vor ein Staatsexamen-Studiengang ist und nicht an das international gültige Bachelor-/Mastersystem angeglichen wurde. Demnach sah ich das Ganze als eine persönliche Auszeit für mich von dem stressigen Pharmaziestudium an und als Herausforderung und Erfahrung, mit dem Wissen, das „verpasste“ Semester an der TU nachholen zu müssen.

Auswahl der Universität und Kurse

Wie so oft kommt es doch immer etwas anders als geplant, denn eigentlich war mein Plan nach Neuseeland zu gehen. Nun ist es jedoch so, dass wie bereits erwähnt, das Pharmaziestudium in Deutschland international nicht wirklich vergleichbar ist. Obwohl ich wie bereits angedeutet, eine relativ gute Studentin bin, die sich bis jetzt durch jedes Semester ohne „Trocknen“ durchgeschlagen hatte - so wird es bei uns genannt, wenn man aufgrund zweier misslungener Chemieklausuren das Semester wiederholen muss - reichten meine Noten nicht aus, um an einer neuseeländischen Uni angenommen zu werden. Mehr Hoffnung wurde mir jedoch in Australien versprochen, da dort einfach mehr Angebot da sei. Nun war ich jedoch schon vor 5 Jahren zum Work and Travel in Australien unterwegs gewesen und wollte auch gerne wieder etwas Neues sehen. Für mich kam daher nur Perth in Frage, da ich es bei meiner letzten Reise durch Downunder nach Westaustralien leider nicht mehr geschafft hatte. Umso größer war die Freude, als die Zusage der Murdoch University kam.

Die Kurse waren schnell gewählt. Rein pharmazeutisch waren sie zwar nicht, jedoch wollte ich ja auch etwas Neues lernen und mitnehmen und nicht den gleichen Stoff, nur eben auf Englisch studieren. Ich wählte zwei Biomedical Science Kurse: Pathological Basis of Disease aus dem dritten Jahr und Forensic Anatomy and Anthropology aus dem zweiten Jahr. Von dem Pathologie-Kurs erhoffte ich mir meine bereits erlernten Kenntnisse zu vertiefen und zu verfestigen. Auf den Forensik-Kurs freute ich mich besonders, da er viel Praxisnähe versprach und ich von meinen Anatomiekursen an der TU nur Computersimulationen kannte. Zu guter Letzt wählte ich noch einen Kurs aus dem ersten Jahr: Photography 1. Ich wollte einfach die Chance wahrnehmen nochmal etwas ganz anderes erlernen zu können, womit ich mich vorher noch nie beschäftigt hatte.

Ankunft und Orientation Week

Meine Abreise war ganz schön nervenaufreibend, da sie mitten in meiner Klausurenphase stattfand. Freitag hatte ich noch eine wichtige Abschlussklausur geschrieben, am nächsten Montag saß ich schon im Flieger nach Perth. Auch wenn ich den Antritt zu meiner letzten Abschlussklausur dadurch ins nächste Semester verschieben musste, würde ich es immer wieder so machen. Denn die Orientation Week an der Uni sowie im Studenten-Wohnheim/ „Student-Village“ würde ich jedem empfehlen mitzunehmen. Sie ermöglicht einfach einen reibungslosen Start, sehr viele Informationen und Tipps und vor allem die beste Möglichkeit neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu knüpfen. Die Orientation Week an der Uni gestaltete sich aus einigen Info- und Kennen-Lern-Veranstaltungen sowie einem Welcome-Dinner. Im Studenten-Village war auch einiges los. Es wurde viel Spiel & Spaß zum Kennenlernen organisiert, kostenloses Essen etc. Außerdem wurden in den ersten zwei Wochen in der die Uni noch nicht gestartet hatte viele kleine Trips, zum Beispiel zum Strand, Perth City oder Wildlife Park angeboten.

Unterkunft

Wie schon erwähnt, wohnte ich in dem Studenten-Wohnheim / „Village“ nahe zum Campus, das wirklich eher wie ein kleines süßes Dorf aufgebaut ist, als die Wohnheime, die ich von deutschen Universitäten kenne. Es sind immer zwei Apartments in einem zwei-stöckigem Häuschen mit unterschiedlich vielen Einzelräumen. Küche, Bad und Wohnzimmer werden geteilt. In dem eigenen Zimmer hat man alles, was man braucht: Bett, Schrank, Schreibtisch mit Stuhl und ein paar Regale. Ich wohnte im „South-Village“, das etwas älter ist als das modernere „North-Village“ aber dafür auch etwas erschwinglicher. Der Preis war wirklich ganz schön üppig, dennoch entschied ich mich fürs Village durch die Nähe zum Campus und die Freunde, die auch im Village wohnten und die vielen teilweise kostenlose Sport- und Freizeitangebote. Es ist wirklich immer etwas los dort! Diese vielen Vorteile sprachen für die Entscheidung zum Leben im Studenten-Village für das Auslandssemester, jedoch kann ich sagen, dass wenn ich länger geblieben wäre, wie z.B. ein Jahr oder für einen ganzen Studienabschluss, ich mir auch jeden Fall etwas off-campus gesucht hätte. Gerade auch weil immer wirklich viel los ist, man komplett willkürlich mit seinen Mitbewohnern zusammen gewürfelt wird und ich manchmal einfach doch meine Ruhe brauche, gerade wenn das Lernen ansteht, wäre das keine langfristige Option für mich. Zudem spielt natürlich auch der finanzielle Faktor eine entscheidende Rolle.

Unileben – zwischen Textbooks und Wochenendtrips

Wie bereits angedeutet, hatte ich mir das Auslandssemester als eine Art Erholung und Möglichkeit neue Energie zu tanken vorgestellt - raus aus meinem Alltag in Braunschweig, den ich teilweise täglich zwölf Stunden in der Uni verbrachte. An der Murdoch Uni erwartete mich jedoch auch eine gewisse Art von Stress. Zugebenermaßen hatte ich mir alles etwas lockerer vorgestellt.

Was ich nicht wusste, war, dass von uns Studenten ab dem ersten Tag vollstes Engagement und Mitarbeit gefordert wurde. Die Uni ging los und ich war ganz schön überfordert mit den ganzen assignments (Gruppenarbeiten, Essays, Referate, Quizze, Mid-term-exams etc.) die anstanden und aus denen sich aufsummiert mit den final exams die Kursendnote ergab. Das war für mich ein völlig unbekanntes System. In dem Pharmaziestudiengang ist es so gehabt, dass man alle Klausuren bestehen muss (mal mit 50, mal mit 60 Prozent Bestehensgrenze), jedoch zählen die Noten nicht wirklich, sondern man sammelt die Scheine, um zum Staatsexamen zugelassen zu werden. Die dort erbrachten Noten zählen dann ins Abschlusszeugnis. Natürlich kenne ich das auch, kleine Referate etc. zu halten, jedoch entscheidet letztendlich nur das Bestehen der großen Abschlussklausur am Ende, ob man den Kurs besteht. Hier an der Murdoch Uni wurde also von Anfang an vollster Einsatz gefordert. Natürlich hat es auch den positiven Effekt, dass man von Anfang an zum Lernen gezwungen wird und so z.B. mit guter Vorarbeit zu Beginn des Semesters, ein vielleicht nicht ganz so gut gelaufenes final exam ausgleichen könnte.

Alles braucht jedenfalls seine Eingewöhnungszeit und nach ein paar Wochen hatte auch ich mich an das ungewohnte System gewöhnt und hatte es geschafft, alle assignments sowie auch gleichzeitig ein paar schöne Trips an den Wochenenden oder in den study breaks unter einen Hut zu bekommen. Denn das Erkunden von Land und Leute darf für einen Study abroad Studenten natürlich auch nicht zu kurz kommen! Besonders haben mir hier der North-West- sowie South-West-Trip, speziell von der Uni für Austausch- und Study abroad Studenten entworfene Ausflüge in den Nord- bzw. Süd-Westen Australiens gefallen! Ein Wochenendausflug zur Insel Rottnest-Island und den süßen Quokkas ist auch ein absolutes Muss!

Fazit

Im Endeffekt kommt vieles doch anders als erwartet, was aber nicht heißt, dass es schlechter sein muss! Man kann mit diesen Erfahrungen, die man macht, wenn man eine gewisse Zeit im Ausland lebt und z.B. studiert nur an sich wachsen und diese Erfahrungen mit nach Hause nehmen und Dinge vielleicht nun anders bewerten. Man lernt vieles über sich selber und im Umgang mit Menschen. Auch wenn man sich wie ich z.B. diese erbrachten Leistungen im Ausland nicht anrechnen lassen kann, finde ich, zählt es viel mehr, was man daraus für sich selber mitnehmen kann. Ich war dennoch immer bemüht und ehrgeizig die Kurse mit einem für mich positiven Ergebnis abzuschließen. Das sind alles Dinge, auf die man stolz sein kann.

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