Neuseeland - Ein Traum geht in Erfüllung
Erfahrungsbericht Bannert Neuseeland

Jonas Bannert | Masterstudent


Was
Sustainability, Economics and Management

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH-Förderprogramm

31.07.2017

Ein geheimnisvolles, naturgewaltiges Land am anderen Ende der Welt

Erfahrungsbericht Bannert Wellington Neuseeland

Neuseeland – ein geheimnisvolles, naturgewaltiges Land am anderen Ende der Welt. Hier für eine Weile zu leben war schon länger ein Traum, dieses Jahr (Ende Februar bis Anfang Juli 2017 – 1. Trimester) habe ich ihn mir mit einem Auslandssemester an der Victoria University of Wellington (VUW oder manchmal auch VIC) erfüllt. Daheim in Deutschland studiere ich einen Master im VWL/BWL/Umwelt Bereich – Sustainability, Economics and Management.

Vorbereitung

Im Sommer 2016 habe ich mich dazu entschlossen, in meinem Masterstudium nochmal für ein Semester ins Ausland zu gehen. Da viele ökonomische Master im Ausland oft einjährig sind und die Masterarbeit im zweiten Semester geschrieben wird, lag es nahe, sich eine Universität auf der Südhalbkugel zu suchen, wo der Semesterzyklus umgedreht ist. Mein Wunsch ein Auslandssemester im englischsprachigen Ausland zumachen, ließ sich so gut mit meinem Traum, einmal in Neuseeland zu leben, kombinieren. Meine deutsche Universität (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) hat leider keine Partneruniversitäten in Down Under, sodass ich mir das Auslandssemester als Freemover organsiert habe.

Die VUW verlangt wie viele andere Universitäten einen Englisch-Nachweis, der entweder durch einen TOEFL Test oder 13 Punkte im Schulabschlusszeugnis erbracht werden kann. Ich habe einen TOEFL Test gemacht (benötigt: auf Bachelorniveau 80 Punkte, auf Masterniveau 90 Punkte). Da Englisch bislang nicht zu meinen Stärken zählte, habe ich mich rund eine Woche auf den Test vorbereitet und diesen dann mit über 100 Punkten geschafft. Mit ein bisschen Vorbereitung ist der Test also auf jeden Fall machbar.

Für die Bewerbung an der VUW (über das Institut Ranke-Heinemann) musste ich bereits im Vorfelde meine Module wählen. Diese stehen an der VUW schon lange im Voraus fest (sicher ein halbes Jahr), sodass dies kein Problem ist und die Kurse einfach im Internet eingesehen werden können. Allerdings sind einige Kurse auf Masterniveau mit Beschränkungen wie beispielsweise Motivationsschreiben oder Vorweisen von Arbeitserfahrung, diese werden dann kursspezifisch angefordert. Vor Ort können diese Kurse in der Orientierungswoche auch noch geändert werden.

Diese Bewerbungsunterlagen habe ich Ende Oktober an das Institut Ranke-Heinemann weitergeleitet und innerhalb weniger Tage eine Zusage bekommen (mit der Auflage, für manche Kurse einen Nachweis zu liefern).

Im Anschluss daran habe ich mich auf ein Visum beworben (Student Visa. Bei kurzen Aufenthalten (1 Trimester) enthält es keine Arbeitserlaubnis und die Ausreise muss ein Monat nach Trimester Ende stattfinden. Dauert zwei bis drei Wochen) einen internationalen Führerschein beantragt (kostet nur 15 €), die Studiengebühren überwiesen, eine neue Kreditkarte besorgt (mit der DKB kann man ab 2017 leider nicht mehr weltweit kostenlos abheben), ein kostenloses Konto bei der ANZ in Neuseeland beantragt (das geht vor Ort auch einfach und ist stressfreier) mich für das Buddyprogramm angemeldet (immer lohnenswert!) und einen Flug gebucht (aus London waren die Flüge deutlich günstiger). Die Krankenversicherung musste ich über die VUW abschließen, sie war aber nicht unbedingt teurer und beinhaltete auch eine Reiseversicherung. Außerdem bietet sie den Vorteil, dass die Behandlungskosten in der universitätseigenen medizinischen Versorgung direkt intern abgewickelt werden ohne selber das Geld vorstrecken zu müssen.

Wellington

Windy Wellington, die hügelige Stadt der Singer&Songwriter, Künstler, Museen (Pipitea und Zealandia sind besonders empfehlenswert), Craftbeer, Rugby und zahlreichen geheimen Schleichwegen – das ist die neuseeländische Hauptstadt, zentral an der Südspitze der Nordinsel gelegen. Zwar ist es nicht die größte Stadt Neuseelands (rund 200.000 Einwohner), aber der Sitz der Regierung, wodurch eine unglaubliche Nähe zum politischen Geschehen in Neuseeland besteht. Hier sei beispielsweise auf die spannende, kostenlose Vortragsreihe des New Zealand Institute of International Affairs hingewiesen, bei der regelmäßig spannende Persönlichkeiten aus der Politik berichten.

Universität

Die Universität hat rund 21.000 Studierenden und ist auf drei Standorte mit zumeist modernen, gut ausgestatteten Gebäuden aufgeteilt, Kelburn Campus (Hauptcampus), Pipitea Campus (vor allem VWL, BWL und Jura) sowie Te Aro Campus (Architektur und Design). Sie liegen alle in fußläufiger Entfernung auseinander, allerdings befindet sich der Hauptcampus Kelburn auf einem Hügel. Die Unterrichtseinheiten sind meistens in 50 Minuten unterteilt, sodass man statt einmal 90 Minuten zwei Vorlesungen á 45Minuten pro Woche hat. Es wird in Trimestern studiert (12 Wochen) und die Kurse sind meist 15 CP Kurse (Umrechnung 2:1 – 15 NZ CP sind also 7,5 CP in Deutschland), sodass man zwischen 45 und 60 CP pro Trimester wählt.

Das Trimester startet mit einer Orientierungswoche für Exchange-Students, in der einem alles erklärt wird und in der man sich auch endgültig für die Kurse anmeldet. In der folgenden Woche stellen sich alle Clubs (studentische Initiativen) in der Week of the Clubs am Hauptcampus vor – es gibt unzählige, in den verschiedensten Bereichen. Sehr empfehlenswert ist beispielsweise der Tramping Club, der jedes Wochenende Kletter- und Wanderausflüge veranstaltet. Die Clubs sind eine super Möglichkeit, aus der internationalen Blase auszubrechen und unter Kiwis zu kommen. Im ersten Trimester gibt es einen 2-wöchigen Mid-Term Break um Ostern herum. Diese Zeit eignet sich hervorragend, um einen Road Trip auf der Südinsel zu unternehmen (Es gibt zahlreiche Reiseblogs mit vorgeschlagenen Routen und auch die Facebook-Gruppen wie Backpacker New Zealand geben viele Tipps).

Ich habe drei Kurse gewählt, aus dem Bachelor- und Masterprogramm gemischt:

  • ECON 361: Economics of Disasters bei Ilan Noy (2*50 Minuten Vorlesung + 1 Tutorial pro Woche; Prüfungsleistung: Mid-term Paper (3 Seiten) + End-term Paper (12 Seiten) + Präsentation (10 Minuten): In diesem Modul haben wir verschiedenen Katastrophen und ihre (ökonomischen) Folgen besprochen, vor allem auf Neuseeland bezogen. Ein spannendes Modul, auch für Nicht-Ökonomen, in dem man auch viel über Neuseeland lernt.

  • GOVT 521: Economis and Policy bei Arthur Grimes (3*8 Stunden Vorlesung, Prüfungsleistung: 2 Exams + 2 Assignments (je 2000 Wörter): In diesem Modul wurden ökonomische Grundkonzepte vorgestellt und ihre Anwendung im alltäglichen Policy-Making. Ein spannendes Modul, das praxisorientierter ist als normale Ökonomie-Vorlesungen. Da es ein Modul der Postgraduate-School ist, arbeiten viele Kommilitonen bereits im Policy-Making Bereich. Die Vorlesung findet an drei Tagen im Block in einem etwas anderen Zeitfenster statt – einer bereits in der Orientierungswoche und ein anderer nach der regulären Vorlesungszeit.

  • ECON 314 Game Theory bei Jack Robles (2*50 Minuten Vorlesung + 1 Tutorial pro Woche; Prüfungsleistung: 2 Assignments + Mid-Term Exam (1 Stunde) + End-Term Exam (2 Stunden): In diesem Modul haben wir verschiedene Entscheidungssituationen und ihre Lösungen diskutiert. Es war insgesamt sehr mathematisch und theoretisch, die praktische Anwendung habe ich leider etwas vermisst – für spielfreudige Mathematiker empfehlenswert.

Der Arbeitsaufwand ist während des Trimesters hoch. Es gibt mindestens eine Prüfung zur Mitte des Trimesters und mindestens eine zum Ende des Trimesters, sodass 45 CP völlig ausreichen, auch um an den zahlreichen Zusatz-Angeboten der Universität teilzunehmen. Dazu gehört unter anderem das große kostenlose Angebot des Student Learning Center: die 2 Grammar Unterrichtseinheiten pro Woche (oft nur eine handvoll Studierende, die das Angebot annehmen), die One-to-one Essay Beratung (in der man auf (strukturelle oder als Exchange Student vor allem spannend) grammatikalische Fehler hingewiesen wird) und das EXEL-Programm (Excellence in Experiential Learning and Leadership), in dem es um die doch überraschend zahlreichen kulturellen Unterschiede geht (klingt trivial, ist aber gerade als jemand aus Deutschland ziemlich spannend) Einen Eindruck in die kulturellen Unterschiede gibt der Video-Blog Life-Swap: vimeo.com/user20904244

Andere spannende Angebote sind das VILP (Victoria International Leadership Programme), bei dem man verschiedene Seminare und Speeches besucht sowie bei praktischen Aktivitäten mitmacht, außerdem das Language Buddy Programm, bei dem man sich in einem Deutsch-Englisch-Tandem gegenseitig bei der fremden Sprache weiterhilft.

Was ich etwas vermisst habe ist eine Mensa (die gibt es leider nicht, stattdessen viele kleine Cafés auf dem Campus) sowie ein ordentliches Hochschulsportprogramm. Es gibt zwar ein Fitnessstudio mit zahlreichen Fitnesskursen, aber für andere Sportarten gibt es kaum Trainingsangebote, nur eine wöchentliche Universitätsliga (für beispielsweise Basketball oder Fußball).

Unterkunft

Es gibt die Möglichkeit, sich entweder selber eine Unterkunft zu suchen oder in einem Studentenwohnheim unterzukommen. Ich habe mich für die Studentenwohnheimvariante entschieden, um etwas stressfreier in das Auslandssemester starten zu können, denn der Wohnungsmarkt in Wellington ist umkämpft. Leider sind hier Studentenwohnheime nicht unbedingt kostengünstiger (Tipp: Nach kleinerem, günstigerem Zimmer fragen). Da ich erst relativ spät wusste (Ende Dezember/Anfang Januar), dass wirklich alles mit dem Auslandssemester klappt, habe ich die offizielle Deadline für die Studentenunterkunft verpasst (bereits im Oktober). Trotzdem habe ich mich im Januar auf dem Portal des Accommodation Service der Universität angemeldet und noch ein Zimmerangebot in der University Hall bekommen. Dies sind kleine Häuser, die oft von 3-8 Menschen bewohnt werden, häufig internationale Studierende, leider nur sehr einfach ausgestattet. Im Winter (ab Mai) wird es sehr kalt und die Häuser sind typischerweise schlecht isoliert. Für Studierende am Hauptcampus Kelburn liegt die University Hall wunderbar, zum Pipitea Campus sind es jedoch 40 Minuten zu Fuß/15 Minuten mit dem Rad. Die Studentenwohnheime organisieren zahlreiche Ausflüge und Aktionen (Wanderung, ins Kino, Barbecue, Dinner, Yoga Studio, Laser Tag Arena, …).

Kosten

Das Leben in Neuseeland ist leider etwas teurer als in Deutschland. Ein paar Tipps zum Geldsparen sind:

  • Der Markt am Sonntag (Vivian Street und am Pipitea Museum) sowie am Mittwoch am Kelburn Campus – Früchte und Obst kosten oft nur die Hälfte im Vergleich zum Supermarkt. Neuerdings gibt es auch an der Universität eine Food Cooperation, bei der man für 12 NZD einen Beutel gefüllt mit Obst und einen gefüllt mit Gemüse bekommt.

  • Die Facebook-Gruppe Vic Deals sowie das Portal Trade Me, ein neuseeländisches Pendant zu Ebay, um beispielsweise ein Fahrrad (Helmpflicht!) zu kaufen und nach dem Semester wieder zu verkaufen. Auch die Recycle Boutique, St Vincent De Paul Shops und die Salvation Army Family Stores bieten viele gute und günstige Second-Hand Sachen. Ein billiger Laden mit Sachen in einfacher Qualität ist sonst noch The Warehouse.

  • Bookme.co.nz und Grabone.co.nz sind Websites, auf denen es oft für touristische Attraktionen vergünstigte Angebote gibt, und auf transfercar.co.nz kann man Autos kostenlos/günstig zurückfahren (beispielsweise die Strecke Wellington – Auckland)

Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Kosten (Die Universität hat auch einen Financial Survival Guide für internationale Studierende erstellt, er gibt auch einen guten Eindruck: www.victoria.ac.nz/students/money/financial-survival/international-students-financial-survival-guide.pdf)

1 € = 1,4 – 1,6 NZD (Trimester 1 in 2017)

  • Studiengebühren 9.000 NZD (45 CP) bis 12.000 NZD (60 CP) + 370 NZD University Student Levies

  • Krankenversicherung: 295 NZD

  • Visum: 270 NZD

  • Flug: günstigster Flug ab London rund 900 €, CO² Kompensation rund 250 €

  • Unterkunft: in einer Studentenunterkunft (University Hall) ohne Verpflegung pro Woche 210 NZD (zu zweit), 260 NZD (Einzelzimmer) + 400 NZD Kaution + 150 NZD Activity fee

  • Einfache (vegetarische) Verpflegung: 50-100 NZD pro Woche

Fazit

Ein Auslandssemester ist immer eine einzigartige Erfahrung, die egal in welchem Land weiterzuempfehlen ist. Wer sich für atemberaubende, abwechslungsreiche Natur (und Herr der Ringe) interessiert, dem sei Neuseeland zu empfehlen. Wer Politik, Kultur und einen alternativ-hippen Lebensstil mag, wird sich wohl in Wellington sehr wohl fühlen. Und die Victoria University Wellington bietet zahlreiche Möglichkeiten, über das eigentliche Studium hinaus – gerade auch im sprachlichen Bereich, um seine Englischkenntnisse zu vertiefen und weiterzuentwickeln.

Die Unterstützung durch das Institut Ranke-Heinemann ist in jedem Fall empfehlenswert. Es erleichtert die Kommunikation mit der Auslandsuniversität, steht bei Fragen zur Verfügung und reduziert die Studiengebühren.

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