„Homestay“ und ein gekaufter Campervan

Hendrik Sonnenberger | Student der Hochschule Darmstadt


Wo
The University of Auckland

Zeitraum
2018

Was
Mechatronik / Robotik

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

30.12.2018

Im Großen und Ganzen bin ich echt begeistert und zufrieden

Liebe Leser,
 ich möchte euch hier von meinen Austauschsemestern an der University of Auckland und auch dem Leben neben der Uni erzählen. Dabei möchte ich besonders auf zwei Themen eingehen, die sonst vielleicht eher selten erwähnt werden: Die Wohnform des „Homestay“ und ein gekaufter Campervan. Aber dazu später mehr.

Ursprünglich hatte ich mich bei mehreren Unis in Australien beworben und auch von jeder eine Zusage bekommen mit einem relativ nervigen Haken: 
Es gibt sowohl in Australien als auch in Neuseeland sogenannte prerequisites. Das bedeutet, dass es für jeden Kurs Anforderungen im Sinne von vorher zu belegenden Kursen gibt. Was wiederum bedeutet, dass ihr einen Leistungsnachweis, also alle bisher an eurer Heimatuni bestandenen Fächer einreichen müsst. In meinem Fall war das leider alles sehr kompliziert und ich hätte an keiner australischen Uni die Kurse belegen dürfen, die ich wollte bzw. brauchte. Das heißt nicht, dass das immer so sein muss. Fall ihr jedoch auch dieses Problem haben solltet: An der UoA war das in meinem Fall gar kein Problem und man kann sich sogar gleich für die Kurse einschreiben und hat dann den Platz sicher (nach der Bezahlung der Studiengebühren).

Die Vorbereitung hat mit Unterstützung des IRH sehr gut geklappt, obwohl es durch die Weihnachtsfeiertage und die Tage zwischen den Jahren dann am Ende doch sehr knapp wurde. Leider sind die Verwaltungsmitarbeiter an der University of Auckland auch nicht die schnellsten. Aber am Ende hat alles geklappt. 
Für die ersten Tage habe ich in einer WG in Remuera gewohnt, die ich über AirBNB gefunden habe. Diese Möglichkeit kann ich jedem nur empfehlen, da es durchaus genau so teuer oder sogar günstiger als ein Hostel sein kann und ich damit durchaus zufrieden war. Je nach Buchungsbedingungen gibt es auch die Möglichkeit zu stornieren, wovon ich Gebrauch gemacht habe, da ich vor Ablauf der Einmietung schon ein neues Zimmer gefunden hatte.


Dies war nun die erste Besonderheit: Ich habe mich nach WGs umgeschaut aber parallel auch nach sogenannten Homestays. Das bedeutet normalerweise, dass man in einer Art Gastfamilie wohnt, wobei man dort auch ganz normale Mietpreise bezahlen muss. Jedenfalls hat sich die Vermieterin sogar bei mir gemeldet (www.aucklandhomestay.org ) und mich zu einer Besichtigung eingeladen. Mein Glück war, dass die Wohnung relativ günstig ist (200$ pro Woche inkl. aller Nebenkosten und Internet) und am Ellerslie Race Course ganz gut gelegen. Zudem war es so, dass die „Gastmutter“ / Vermieterin die Woche über auf einer Farm gewohnt hat und nur sonntagsabends bis montagsmorgens da war, was aber eher eine Ausnahme ist. Den Suburb Ellerslie kann ich nur jedem empfehlen, der nicht unbedingt ganz nah in der Innenstadt in der Nähe der Uni wohnen will. Der Vorteil hier ist, dass es grüner, ruhiger und nicht so hektisch wie in der Innenstadt ist. Trotzdem gibt es eine sehr gute Bus- und vor Allem Zugverbindung zur Uni! Ihr müsst bedenken, dass Auckland eine riesen Metropolregion ist und es hier zwar teilweise Busspuren gibt, aber man mit dem Bus auch sehr lange im Stau stehen kann, mit dem Zug aber nun mal nicht.

Leider gibt es hier auch kein Semesterticket, wie man es in Deutschland kennt. Es gibt zwar einen Studentenrabatt, aber auf Dauer ist der ÖPNV auch ein relativ gewaltiger Happen im Budget. Wenn ihr euch vorab schonmal darüber informieren wollt, unter at.govt.nz/bus-train-ferry könnt ihr Adressen eingeben und bekommt die Fahrtpreise angezeigt. Davon könnt ihr ca. 30% Studentenrabatt abziehen.
Da ich gerne Fahrrad fahre und weil es hier echt sehr hügelig ist ich damit dann gleich schon einen täglichen nicht zu unterschätzenden sportlichen Ausgleich hatte, habe ich mir hier über www.trademe.co.nz (ähnlich unserem ebay) ein Rennrad gekauft. Es gibt in der Uni unter dem sogenannten „Quad“ sogar Duschen, die ich wenn es heiß war auch allmorgendlich nach der Radtour benutzt habe. Noch ein Hinweis: Hier besteht Helmpflicht und es ist nicht ganz ungefährlich. Viele Autofahrer nehmen nicht sonderlich viel Rücksicht auf Fahrradfahrer und Fußgänger, deshalb sind defensives und umschauendes Fahren sowie eine reflektierende Warnweste und am besten blinkende Scheinwerfer auch tagsüber unbedingt zu empfehlen. Außerdem sollte man sich selbstverständlich über die abgesehen vom Linksverkehr teilweise erheblichen Unterschiede der Verkehrsregeln und die Tipps der NZ Transport Agency informieren. www.nzta.govt.nz/resources/roadcode/cyclist-code/about-cycling/cyclist-responsibilities 
Die wichtigsten Verkehrsregeln, speziell zum Thema Vorfahrt sind hier zusammengefasst:
http://www.giveway.co.nz/new-giveway-rules sowie eine interaktive Fahrsimulation zum Thema Vorfahrtsregeln: www.giveway.co.nz/interactive  und weitere Fragen speziell für Touristen mit Erklärungen: www.drivingtests.co.nz/roadcode/tourist/all/66 .
Generell muss ich aber sagen, dass ich mich sehr schnell an den Linksverkehr und die teilweise anderen Verkehrsregeln gewöhnt habe. Warum ich euch das alles erzähle?


Naja erstmal ist Auckland wie gesagt riesengroß und mit den öffentlichen kommt man zwar noch relativ gut von A nach B; aber sobald es aus der Stadt raus geht, ist man ohne ein Auto relativ aufgeschmissen. Es gibt natürlich noch die Möglichkeit bei jemandem mitzufahren oder auch per Anhalter oder auf diversen Backpacker-Gruppen in Facebook nach Mitfahrgelegenheiten zu suchen oder auch Überlandbusse. Aber vielleicht möchtet ihr euch ja auch einen der vielen Campervans, die hier durchs Land fahren mieten oder wie ich es getan habe, kaufen und nach dem Aufenthalt wieder verkaufen. Falls ihr die finanzielle Möglichkeit dazu habt kann ich das nur empfehlen. Dadurch ist man viel unabhängiger und kann auch mal spontan übers Wochenende wohin fahren oder in gewissen Ausnahmefällen den Van auch in Auckland benutzen. Das habe ich bisher versucht zu vermeiden und eher nur zum Einkaufen getan bzw. für Fahrten zu Orten, wo man mit öffentlichen schlecht hinkommt aber dann auch parken kann. In der Innenstadt kann man parken quasi vergessen. Es gibt zwar Parkhäuser, aber die sind richtig teuer. 


Zur Uni selbst kann ich nur sagen, dass ich im Großen und Ganzen echt begeistert und zufrieden bin. Es gibt hier einiges, das ich besser als an meiner kleinen Hochschule in Darmstadt finde aber andere Dinge sind wiederum in der Heimat besser organisiert. 
Der größte und auch angenehmste Unterschied ist finde ich, dass es eine unglaubliche Vielzahl an University Clubs gibt. Da ist echt für jeden was dabei! Ich habe mich für den Canoe Club und den Underwater Club entschieden, wo ich auch einen Tauchschein gemacht habe. Man hat zwar auch mit nur 3 Kursen im Semester gut zu tun und neben den exams (Abschlussklausuren) auch noch Labore (in Ingenieurswissenschaften) sowie tutorials und assignments. In meinem Fall waren das zwei „Hausarbeiten“, die aber eher wie Arbeitsblätter bzw. etwas längere Laborberichte ausgefallen sind. Und noch ein praktisches assignment im Fach Robotics and Intelligent Systems. Der Vorteil daran ist allerdings, dass man quasi „gezwungen“ wird, am Ball zu bleiben und eben nicht alles von einer Klausur am Ende des Semesters abhängt.

Fazit: Im Großen und Ganzen kann ich jedem die University of Auckland und einen Auslandsaufenthalt nur empfehlen.

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