Eine vielseitige, moderne Stadt, ein abwechslungsreiches Land und wunderbare Menschen
Studium Kanada

Lisa Draser | Maastricht University


Wo
University of Alberta

Zeitraum
2015

Was
Psychologie

Studienprogramm
Forschungsaufenthalt

17.10.2017

Forschungsaufenthalt an der University of Alberta

Studium Kanada

„Edmonton? Und wo genau liegt das?“ So ähnlich war meine Reaktion auf den Vorschlag meines Professors, eine Studie bei seiner kanadischen Kollegin zu unterstützen. Nach meinem Auslandssemester in Australien, das mich in vielerlei Hinsicht unglaublich bereichert hat, stand aber mein Entschluss fest, auch im Masterstudium noch einmal ins Ausland zu gehen. Kanada, obwohl ich von Freunden schon viel Positives über das Land gehört hatte, hatte ich bisher aber noch nicht in Betracht gezogen. Ich warf also einen schnellen Blick auf die Karte - Edmonton ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta und liegt im Westen Kanadas, nur wenige Stunden von den Rocky Mountains entfernt. Auch die University of Alberta zählt zu den forschungsintensivsten Universitäten des Landes. Nach kurzem Überlegen sagte ich zu - nur 3 Monate vor dem geplanten Start des Forschungsaufenthaltes.

Es galt also nun, noch einige bürokratische Hürden zu überwinden. Obwohl ich an der University of Alberta keine Kurse belegen würde, musste ich trotzdem als sogenannter „Visiting Graduate Student“ eingeschrieben sein. Da ich allerdings mitten in einem der Semester beginnen würde, war lange Zeit unklar, für welchen Zeitraum ich genau eingeschrieben sein musste. Dies konnte erst vor Ort geklärt werden. Einen Sprachtest musste ich, da mein Studium ohnehin auf Englisch unterrichtet wurde, glücklicherweise nicht ablegen. Weiterhin schloss ich eine Auslandskrankenversicherung ab und buchte meine Flüge. Bezüglich der Unterkunft war ich mit meiner Betreuerin in Kanada von Beginn an in Kontakt, die mir die Seite http://www.rentingspaces.ca für die Wohnungssuche empfahl. Hier konnte ich nach etwa einer Woche auch schnell ein passendes Zimmer in der Nähe der Uni finden. Da ich nur ca. 3-4 Monate in Edmonton verbringen würde, war es nicht erforderlich, ein Visum zu beantragen - dies ist erst bei einem Aufenthalt ab 6 Monaten der Fall. Die Ankunft in Toronto war dementsprechend sehr entspannt. 

Als ich Ende Februar in Edmonton ankam, erwarteten mich wahrhaft kanadische Temperaturen von -20 Grad sowie kniehoher Schnee. Mein Empfang hätte jedoch nicht wärmer und herzlicher sein können, sowohl an der Universität als auch in meiner Unterkunft wurde mir umgehend alles Wichtige gezeigt. Das Haus, in dem ich wohnte, teilte ich mir mit 4 anderen Studenten aus drei Ländern, mit welchen ich mich direkt gut verstand und auch in den folgenden Monaten häufig etwas zusammen unternahm oder Kochabende veranstaltete. 

An der Uni wurde ich Teil eines PhD Labs, in welchem hauptsächlich Doktoranden an ihren Studien arbeiteten. Obwohl sich jeder mit einem unterschiedlichen Aspekt beschäftigte, war unser Grundthema ähnlich (in meinem Fall Health Psychology und Exercise Motivation), weswegen wir uns gut austauschen konnten. Die Studie, an der ich mitwirkte, wurde von einem weiteren Research Team organisiert, mit dem ich mich auch ein bis zweimal wöchentlich traf, um den aktuellen Fortschritt zu besprechen. Hier konnte ich direkt zu Beginn auch meine Ideen einbringen, gleichzeitig wurde mir aber jederzeit Unterstützung zur Seite gestellt und die Studie im Detail vorgestellt. Mit der Professorin, die explizit meine Masterarbeit betreute, habe ich mich auch regelmäßig persönlich getroffen, zudem war sie auch bei kurzfristigen Fragen sehr schnell ansprechbar. Die Kommunikation mit meinem Betreuer in den Niederlanden war teilweise etwas komplizierter, im Endeffekt hat es jedoch funktioniert, beide Seiten zu vereinbaren. Die University of Alberta ist eine typische Campusuni, deren Gebäude häufig sehr weit voneinander entfernt sind. Aufgrund meiner Studie musste ich zudem auch regelmäßig in das angrenzende Universitätskrankenhaus. Die Ausstattung ist insgesamt sehr modern, mit meiner Unicard konnte ich auch nach den üblichen Zeiten in unser Lab und auch die öffentlichen Transportmittel (wie Bus oder LRT) kostenlos nutzen. 

Vor meinem Kanadaaufenthalt hatte ich schon viel von der Freundlichkeit und Höflichkeit der Kanadier gehört - dies hat sich ausnahmslos bestätigt. Angefangen bei der Tatsache, dass Kanadier sich generell sehr oft entschuldigen (nach einiger Zeit hatte ich mir auch angewöhnt, in jeder Situation zunächst „Sorry“ zu sagen), wurde ich von Beginn an in den kanadischen Alltag eingeführt. Meine „Lab Mates“ nahmen mich direkt in der ersten Woche zu einem kanadischen Eishockeyspiel mit, was dort die gleiche Popularität wie hier Fußball genießt. Ebenso probierte ich „Poutine“, das kanadische Nationalgericht bestehend aus Pommes, Cheese Curds und Bratensoße. Abends wurden oft sogenannte „Potlucks“ veranstaltet, bei denen jeder eine Speise mitbringt - insbesondere das kanadische Thanksgiving, welches ich gleich in zweifacher Form erlebte, ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben. Sehr unterhaltsam war auch die Einführung in einen weiteren Nationalsport Kanadas, dem Curling. 

Edmonton ist, obwohl die Hauptstadt Albertas, eine relativ entspannte, überschaubare Stadt. Ich wohnte direkt neben der „Whyte Avenue“, auf der sich viele Geschäfte und Bars befanden, ebenso wie der Old Strathcona Farmers Market, den ich samstags gern besuchte. Die Innenstadt ist von vielen Hochhäusern gesäumt und nicht sehr fußgängerfreundlich, umso schöner ist jedoch die riesige Parkanlage „River Valley“, die direkt um den Fluss führt und insbesondere im Sommer von zahlreichen Sportlern benutzt wird. In Edmonton befindet sich auch die „West Edmonton Mall“, die bis heute als das größte Einkaufszentrum Nordamerikas gilt und neben unzähligen Geschäften auch mehrere Freizeitparks oder ein Aquarium beinhaltet. Besonders im kalten Winter konnte man hier oder in den über 60 Museen und Galerien gut seine Zeit verbringen. Im Sommer wird es jedoch auch in Edmonton recht warm, sodass die Stadt ihrem Ruf als Festivalstadt gerecht werden konnte und sich eine Veranstaltung an die nächste reihte. 

Edmonton bietet mit einer nur etwa 3-4 stündigen Fahrtzeit einen idealen Ausgangspunkt für Ausflüge in die Rocky Mountains. Ich habe mit Freunden im Mai einen Roadtrip in die Nationalparks Jasper und Banff unternommen und einen weiteren Zwischenstop in Calgary eingelegt. Obwohl es teilweise noch etwas kälter war als gedacht (Juli und August sind eigentlich die besten Zeiten), hat mich die Natur sehr beeindruckt - ob Wasserfälle, ein riesiges Eisfeld oder strahlend blaue Seen.

Insgesamt war mein Aufenthalt in Kanada viel zu kurz. Sowohl in akademischer Hinsicht habe ich viel Neues lernen können, als auch eine vielseitige, moderne Stadt, ein abwechslungsreiches Land und insbesondere wunderbare Menschen kennenlernen können. Ich habe mir fest vorgenommen, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurückzukommen und kann Kanada und insbesondere Edmonton und die University of Alberta nur wärmstens weiterempfehlen. 

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