„Slip Slop Slap"

Katharina Sameidt | Europa Universität Viadrina


Wo
Murdoch University

Zeitraum
2016

Was
Internationale BWL

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

30.04.2016

Slip on a shirt, Slop on the sunscreen, Slap on a hat

Australien. Wenn man an den Kontinent auf der anderen Seite der Welt denkt, hat man automatisch Bilder von Sydney mit dem berühmten Bondi Beach und seinen Surfern oder auch dem Ayers Rock in der roten Mitte des Landes im Kopf. Die Westküste wird dabei zumeist vergessen. Dabei hat sie so viel zu bieten.

Bereits nach dem Abitur habe ich ein Jahr in dem Land Down Under verbracht. Die Westküste stand dabei überhaupt nicht auf meinem Plan. Durch einige Zufälle jedoch habe ich schlussendlich mehr als ein halbes Jahr in der Hauptstadt Perth verbracht und wusste, spätestens zum Studium komme ich wieder.

Da in meinem Studiengang ein Auslandssemester vorgeschrieben ist, war es nur logisch, dieses in Perth zu verbringen. Auch für die Universität habe ich mich früh entschieden: Es sollte die Murdoch University werden. Da diese jedoch keine Partnerschaft mit meiner Uni hat, musste alles selbst organisiert werden. Bei meiner Recherche dazu bin ich auf das Ranke Heinemann Institut gestoßen. Besonders hilfreich fand ich den Online-Qualifikationscheck, bei dem man herausfinden kann, ob man für das gewünschte Programm überhaupt geeignet ist und was die Alternativen wären.

Nachdem ich diesen durchgeführt habe, hatte ich auch recht bald ein persönliches Gespräch am Telefon, bei dem ich super beraten wurde und bei dem mir alles Wichtige hinsichtlich benötigter Unterlagen und dem Bewerbungsprozess erklärt wurde. Alle Fragen meinerseits wurden zufrieden beantwortet, sodass ich ein gutes Gefühl hatte, einen Platz für das Semester zu bekommen. Aufgrund einiger Umstände konnte ich mich letztendlich erst ziemlich spät bewerben, aber besonders dank der Hilfe von Frau Draser hat alles super und zügig geklappt und ich hatte früher als erwartet eine Zusage meiner Wunschuniversität. Auch das Beantragen des Visums ging recht schnell und so hatte ich bereits nach einer halben Stunde die Bestätigung und konnte endlich meine Flüge buchen und alles ordentlich organisieren.

Murdoch University

Murdoch University ist auf drei Standorte in Perth verteilt. Der Hauptcampus South Street ist zugleich einer der größten Universitätsgelände Australiens und beherbergt neben einem Reisebüro und einem Pub auch eine riesige Pferdekoppel und ein Tierkrankenhaus. Den Mittelpunkt bildet der sogenannte Bushcourt, auf dem man zwischen oder nach Vorlesungen auf Strandliegen und Beanbags entspannen oder einen Happen zu Essen aus dem Foodcourt genießen kann. Die Ausstattung der Universität ist modern und bei über 1000 angebotenen Kursen pro Jahr wird wirklich jeder fündig. Obgleich um die 10.000 Studenten an diesem Standort studieren, sind vor allem die Tutorien mit ca. 20-30 Leuten verhältnismäßig klein, sodass man optimal betreut wird und die Dozenten einen beim Namen kennen.

Die Unterrichtsform war für mich am Anfang sehr ungewohnt. Man hat nicht nur eine Klausur am Ende des Semesters, die dann 100% zählt, sondern fast jede Woche Hausarbeiten, Essays und Präsentationen, die teilweise ziemlich zeitaufwendig sind. So ist man jedoch von Anfang an mit dem Stoff in Berührung und das macht es leichter, für die Klausur am Ende zu lernen. Ein weiterer positiver Punkt ist, dass alle Vorlesungen per Video aufgenommen und hochgeladen werden. Falls man krank ist oder etwas nicht genau verstanden hat, kann man es sich bequem von zuhause aus ansehen. Des Weiteren wurde sehr viel Wert auf Gruppenarbeiten gelegt, was den Kontakt mit einheimischen Studenten ungemein erleichtert.

Das außeruniversitäre Angebot lässt sich ebenfalls sehen: es gibt zahlreiche Clubs, denen man beitreten kann, aber auch alle möglichen Sportarten. Ein Highlight ist dabei sicherlich das Quidditch-Team, das jeden Harry Potter-Fan begeistern wird.

Im Semester 2 waren wir insgesamt um die 80 Exchange und Study Abroad-Studenten, die meisten davon aus Deutschland und Amerika. Von Anfang an wurden wir super durch Athira, der Study Abroad & Exchange-Koordinatorin, betreut. Noch bevor wir angereist sind, wurde eine Facebook-Gruppe mit allen Austauschstudenten gegründet, in der man schon vorab Fragen und Ungewissheiten klären konnte. Auch die Dozenten an sich und das Student Centre waren immer zur Stelle und haben geholfen, wo sie konnten. Die typisch australisch lockere Art hilft dabei ungemein und so wurde eigentlich jeder nur beim Vornamen angesprochen.

Auch bei der Kurswahl wird einem geholfen und versucht, eine Lösung zu finden, falls z.B. mehrere Vorlesungen zur selben Zeit stattfinden. Ich habe beispielweise noch nach der ersten Unterrichtswoche ohne Schwierigkeiten einen Kurs wechseln können. Ihr solltet jedoch unbedingt alle Kurse mit der Heimuniversität absprechen und wie diese angerechnet werden können, damit ihr nach dem Semester keine Schwierigkeiten damit bekommt.

Das ganze Semester über wurden verschiedene Veranstaltungen geplant, um einen die Stadt und die Kultur Australiens näher zu bringen. So gab es zum Beispiel eine Didgeridoo-Session, bei der man auf dem traditionellen Instrument der Aborigines spielen konnte, oder einen Ausflug in den Caversham Wildlife Park, in dem die meisten von uns das erste Mal in den Kontakt mit australischen Tieren gekommen sind. Das Highlight für viele war jedoch der 10 tägige Trip in den Norden Westaustraliens, bei dem man die Schönheit der Westküste erleben konnte.

Perth

Perth gilt als die abgelegenste Hauptstadt der Welt. Mit knapp 2 Millionen Einwohner liegt die Stadt zwar deutlich hinter Sydney und Melbourne, verstecken muss sie sich aber nicht. Die Strände in und um Perth gelten als einige der schönsten der Welt und mit jährlich über 250 Sonnentagen kann man diese auch ausgiebig genießen. Meine persönlichen Favoriten sind Cottesloe Beach nördlich des Swan River und Leighton Beach im Süden. Doch man sollte den Sonnenschutz dabei auf keinen Fall vergessen; ganz nach dem australischen Motto „Slip Slop Slap“(Slip on a shirt, Slop on the sunscreen, Slap on a hat). Die Sonne ist hier um einiges stärker als in Deutschland, was schnell zu Verbrennungen führen kann.

Die Innenstadt ist bequem mit dem Zug von Murdoch aus zu erreichen und lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Es gibt zwei Hauptstraßen, in denen sich ein Laden an den anderen reiht; perfekt für einen ausgiebigen Shoppingtrip. Etwas versteckt findet man dort auch den London Court, in dem man sich wie in einer Szene aus Harry Potter fühlt und der einen die Zeit vergessen lässt. Der neugestaltete Elizabeth Quay mit seinem Bell Tower ist besonders zur Abendzeit zu empfehlen, da dann alles super schön beleuchtet ist.

Durch die Innenstadt fahren zahlreiche der sogenannten Cat-Busse, die man umsonst benutzen darf. Mit einem von denen gelangt man in kurzer Zeit in den Kings Park, der flächenmäßig sogar größer ist als der New Yorker Central Park. Von der Aussichtsplattform hat man einen unglaublichen Blick über die Stadt und den Swan River. Man kann schnell einen ganzen Tag in dem Park verbringen und am besten ein mitgebrachtes Picknick genießen.

 Im Südwesten und mit dem Bus einfach von der Universität zu erreichen liegt die alte Hafenstadt Fremantle, die ihren ganz eigenen Charme hat. Man kann dort super Kaffee und Craft Beer genießen und die zahlreichen kleinen Läden und Galerien besuchen. 

Wohnen

Direkt am Campus gelegen gibt es ein Studentenwohnheim, dass sich in den Nord- und Südbereich aufteilt, wobei der Nordteil moderner ist, was sich allerdings auch am Preis bemerkbar macht. Der Vorteil am Village-Leben ist ganz klar die Nähe zur Uni und das Zusammenleben mit Studenten aus aller Welt. Jede Woche finden verschiedenste Veranstaltungen statt, bei denen man die anderen Mitbewohner kennenlernen und seine Zeit verbringen kann. Ich persönlich habe mich jedoch gegen einen Platz dort entschieden und im benachbarten Bull Creek mein Zuhause gefunden. Mit dem Bus war die Universität in nur 15 Minuten zu erreichen, was eine willkommene Abwechslung zum 1.5 stündigen Hin-bzw. Rückweg in Deutschland war. Ein WG-Zimmer findet man leicht über Gumtree, auf Facebook in der Gruppe „Perth-Houseshare/ Flatshare / Room for Rent“ oder auch am schwarzen Brett in der Uni. Empfehlenswert dabei sind die Gegenden Bull Creek, Leeming, Kardinya oder auch Fremantle. Da die Miete hier wöchentlich fällig wird und bei AUD 150 / Woche anfängt, kommt es natürlich vor allem auf den persönlichen Geldbeutel an. 

Wobei wir beim Thema Geld angekommen sind

Allgemein kann man sagen, dass Studieren und Leben in Australien nicht ganz billig ist. Wenn man das Glück hat und an eine Partneruniversität seiner Heimuniversität gelangt, muss man die teuren Studiengebühren nicht entrichten. Da ich es jedoch selber organisiert habe, wurden somit auch die Gebühren im Voraus fällig und je nachdem wie viele Kurse man belegt, schießt die Summe schnell nach oben. Generell sollte man sich um einiges im Voraus klar sein wie man die Kosten bestreiten möchte. Das Auslandsbafög ist dabei besonders zu nennen, da bei 3 Kursen die Gebühren komplett übernommen werden und auch Geld für den Flug und die Versicherung zugeschossen wird. Da es komplett anders berechnet wird als das Inlandsbafög, sollte jeder die Chance wahrnehmen und sich darauf bewerben. Zu beachten ist allerdings, dass die Bearbeitungszeit mindestens 6 Monate beträgt. Man sollte sich also rechtzeitig bewerben, wenn man das Geld zu Studienbeginn auf dem Konto haben möchte.

Eine große Hilfe ist die Studienbeihilfe des Ranke-Heinemann Institutes, bei der man am Ende des Semesters 10% der Studiengebühren wiederbekommt. Weiterhin bin ich auf den Bildungskredit des Bundes gestoßen, der wie ich finde gute Konditionen mit sich bringt. Hier sollte man jedoch selber recherchieren und schauen, welche Kredite oder Stipendien zu einem passen. Da man meist schon zu Beginn des Studiums weiß, ob man ein Auslandssemester belegen kann oder nicht, sollte man frühzeitig anfangen zu sparen, denn man kann hier jeden Euro (oder australischen Dollar) gut gebrauchen. 

Die Visakonditionen erlauben es einem, 20 Stunden pro Woche und Vollzeit während der study breaks zu arbeiten. Da die Lebenserhaltungskosten deutlich höher sind als in Deutschland verdient man auch viel besser. Sofern es der Stundenplan erlaubt, sollte man sich unbedingt nach einem Job umsehen. Man wird nicht nur geldlich entlohnt, sondern erwirbt auch gleichzeitig Auslandsarbeitserfahrung und kommt mit Australiern in Kontakt, was einem zu neuen Freundschaften und hilfreichen Bekanntschaften verhilft. Eine gute Anlaufstelle ist auch hier wieder Gumtree, jedoch sind auch indeed und seek gute Seiten um einen Job zu finden. Oftmals ist es auch einfacher, seinen Lebenslauf auszudrucken und in verschiedene Cafes oder Restaurants zu gehen, weil man so den Manager kennenlernt und mit etwas Glück gleich einen Probetag vereinbaren kann. Ich fand es nicht ganz so leicht einen Job zu finden wie damals mit dem Working Holiday-Visum, aber es wie überall im Leben: wenn man etwas wirklich will, findet man einen Weg. So habe ich zum Beispiel im nib Stadium bei Rugbyspielen und Heimspielen der Perth Fußballmannschaft Perth Glory gearbeitet und somit noch mal etwas komplett Anderes kennenlernen dürfen.

Weitere Empfehlungen, die euch den Aufenthalt in Perth verschönern werden:

Zum Thema Essen: in Perth gibt es eine Menge guter Frühstückscafes, in denen man gesund in den Tag starten kann. Meine Favoriten sind dabei Bib& Tucker (direkt am Strand gelegen) und Rabbit in the Moon Cafe, (unbedingt einen der Shakes probieren! Nicht gesund, aber lecker) beide in North Fremantle.

Da ich Sushi liebe, bin ich in Perth total verwöhnt: es gibt Sushiläden an wirklich jeder Ecke und dazu noch relativ günstig. Es gibt mittags nichts Besseres, als sich mal eben 2,3 Sushi rolls auf die Hand zu holen.

Wenn man auf Burger steht, hat man auch hier die Qual der Wahl! Varsity Burgers in Northbridge ist da ganz vorn mit dabei.

Meeresfrüchte sind in Australien super beliebt, was natürlich Sinn macht, da es komplett vom Meer umgeben ist und somit frisch auf den Tellern landet. Unbedingt probieren sollte man Fish& Chips. Dafür ist Cicerellos in Fremantle eine gute Adresse.

Falls ihr am Wochenende etwas Zeit mitgebracht habt (und Hunger!), lohnt sich der Abstecher zu den Fremantle Markets. Hier könnt ihr euch durch allerlei Leckereien probieren, von süß bis herzhaft, gesund und ungesund. 

Lifestyle:

Der Nummer eins-Sport hier ist nicht wie in Deutschland Fußball, sondern football. Nicht zu verwechseln allerdings mit American Football- die Regeln sind komplett anders. Man sollte zumindest einmal ein Heimspiel der Fremantle Dockers oder West Coast Eagles im Domain Stadium besucht haben und mit den Australiern gemeinsam den (hoffentlichen) Sieg bejubeln.

Falls ihr während des Sommers in Perth seid, werdet ihr wahrscheinlich von der sogenannten Sunday Session hören. Es gibt nichts Besseres, als mit Freunden einen kühlen Drink an einem warmen sonnigen Tag zu genießen. Der beste Ort dafür ist Cottesloe. Allerdings sollte gesagt sein, dass die Alkoholpreise hier um einiges höher sind als in Deutschland.

Wenn ihr schon mal dort seid, könnt ihr auch gleich zum Sonnenuntergang bleiben. Perth hat unglaubliche Sonnenuntergänge zu bieten, denn kaum woanders in Australien geht die Sonne direkt über dem Meer unter.

Die Study breaks bieten sich für Roadtrips geradezu an, aber auch über ein verlängertes Wochenende kann man die Gegenden um Perth gut erkunden. Während der Norden Westaustraliens eher trocken und heiß ist, ist es im Süden kühler und grüner. Die Margaret River Region ist gerade einmal 3 Stunden mit dem Auto entfernt. Neben Weingütern und Brauereien kann man hier Schokoladenfabriken besuchen und Höhlen erkunden. Die Strände um Dunsborough und Yallingup sind super schön, und auch zum Surfen gut geeignet.

Besonders zu erwähnen ist auch Rottnest Island, eine kleine Insel vor der Küste Perths. Sie ist einfach mit der Fähre von Fremantle aus zu erreichen (kleiner Tip: dienstags kostet sie nur den halben Preis!). Die ganze Insel ist autofrei, deswegen leiht man sich dort am besten ein Fahrrad aus und erkundet sie. Nur dort zu finden ist der Quokka, ein kleines Beuteltierchen, das als glücklichstes Tier der Welt gilt. Das Wasser um Rottnest herum ist unglaublich klar und lädt zum Schnorcheln ein. Nehmt am besten eine der ersten Fähren am Morgen, so dass ihr genügend Zeit habt, die Insel zu genießen. 

Ich könnte hier noch ewig weitererzählen, aber ihr solltet die Stadt mit eigenen Augen erleben! Ich hatte eine absolut fantastische Zeit während meines Auslandssemesters und kann Perth und die Murdoch University nur jedem wärmstens empfehlen! Ihr werdet es nicht bereuen.

Mehr Eindrücke?

Lesen Sie auch unsere anderen Erfahrungsberichte.