Traut euch über den Tellerrand zu blicken!

Anne-Marieke Stelling | Masterstudentin


Wo
The University of Newcastle

Zeitraum
2015

Was
Education

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.12.2015

Das Campusleben war für mich einfach nur wunderschön!

Mein Name ist Anne-Marieke Stelling und ich habe in meinem dritten Mastersemester allen Mut zusammengefasst und bin für ein Semester nach Australien gegangen. Von Juli bis November durfte ich an einer der schönsten Universitäten Australiens studieren, der University of Newcastle.

Mitten im grünen Campus ist es hin und wieder vorgekommen, dass ich Sunny auf dem Weg zur Vorlesung begegnet bin. Eine harmlose grüne Schlange, die hin und wieder auf ihrer Brücke ein Sonnenbad nahm. Geweckt wurde ich von den mehr oder weniger melodischen Klängen der Kakadus, Magpies und Kookaburras. Ein Wecker war gar nicht nötig. Abends kamen dann die Opossums heraus und haben die Studenten mit großen Augen angeschaut bevor sie schnell wieder auf ihre Bäume geklettert sind. Da ich ohnehin ein großer Fan von Natur und Tieren bin, war das Campusleben für mich einfach nur wunderschön!

Nicht nur die Umgebung war faszinierend, auch die Kurse an der University of Newcastle waren unglaublich interessant und haben mir für meinen späteren Beruf als Grundschullehrerin schon jetzt viel gebracht. Nicht zuletzt wegen der wunderbaren Professoren die aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz berichtet haben und uns stets praxisnah unterrichtet haben. Jede einzelne Lehrperson hat mich aufrichtig willkommen geheißen und in ihren Unterricht mit eingebunden. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist dabei nicht nur bei den Mitarbeitern der Universität zu finden, sondern auch unter den StudentInnen und bei den Australiern allgemein. Wenn dir deine Fahrradkette einmal abspringen sollte brauchst du keine drei Sekunden zu warten und es bietet dir schon jemand seine Hilfe an.

Außerdem habe ich viel über die Kultur und die Sprache gelernt und bin immer noch fasziniert von den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu unserer eigenen Kultur. Einige typische Marotten aus der Heimat habe ich tatsächlich vermisst. So zum Beispiel die verlässliche Pünktlichkeit in Seminaren und Vorlesungen. Selbst in kleineren Seminaren kamen manche StudentInnen erst nach einer halben Stunde zum Geschehen. Die Vorlesungen, Tutorien, sowie die Computer Kurse gehen wohlgemerkt meist nur 60 Minuten. Die Lehrperson nimmt sich jedoch am Ende der Stunde Zeit, um den Nachzüglern die Informationen weiterzugeben, die sie zu Beginn der Stunde versäumt haben. Das würde meiner Meinung nach kein Dozent an einer deutschen Hochschule machen. Interessant dabei ist, dass die Professoren selbst gelegentlich zu spät kommen. Das ist aber überhaupt nicht schlimm. Noch bevor die Stunde eigentlich zu Ende ist, wird überpünktlich Feierabend gemacht.

Um aber keinen falschen Eindruck zu wecken, muss ich dazu sagen, dass die Zeit in den Veranstaltungen zwar tatsächlich gering gehalten wird, jedoch die Zeit im Selbststudium enorm ist. Es gab viele Präsentationen vorzubereiten und unzählige Assignments anzufertigen. Dabei möchte ich mich nicht beklagen. Ich habe all das unheimlich gerne getan. Vor allem da ich die Huxley Library so sehr mochte. An kaum einem Ort war ich so häufig und so gern. Die Bibliothek ist eine der gemütlichsten die ich je betreten habe. Niemand verlangt, dass du deine Jacke abgibst und deinen Rucksack wegschließt. Dein Essen und Trinken darfst du mitnehmen. Wie sonst sollst du es so lange am Computer oder vor deinen Büchern aushalten. Ein kleines Café in der Bibliothek, mit dem leckersten Bananenbrot der Welt und mit genügend Kaffee für alle Bedürftigen, hält dich aufnahmefähig und munter. Wenn du größeren Hunger hast, gibt es auch Stationen mit Mikrowellen die es dir erlauben dein gekauftes oder mitgebrachtes Essen aufzuwärmen. Auch das wäre undenkbar an den Universitäten, die ich in Deutschland besucht habe.

Ansonsten hat mir das Leben außerhalb der Bibliothek auch sehr gut gefallen. Ich habe das Semester über auf dem wunderschönen und naturbelassenen Campus im International House gewohnt. Gemeinsam mit vier Australiern habe ich mir ein Apartment geteilt. Die Gemeinschaft des International House besteht aus insgesamt elf Blöcken beziehungsweise elf Häusern mit mehreren Wohnparteien. Mit einem eigenen Pool, einem großen Gemeinschaftsraum mit Tischtennisplatten, einem Billiardtisch und zwei Klavieren konnte man sich hier immer gut beschäftigen. Natürlich wurden hier auch immer wieder Gründe gefunden um etwas zu feiern. Jeder ist willkommen im International House. Leute aus allen Teilen der Welt kommen hier zusammen. Die Mischung aus den unterschiedlichsten Kulturen war einfach unglaublich spannend, interessant und lehrreich.

In den Ferien beziehungsweise Spring Break, bin ich gemeinsam mit einem Amerikaner, einer Schwedin, einer Französin und einer Deutschen den ganzen weiten Weg bis nach Cairns hochgefahren. Mein erster Road Trip und meine ersten 3167 km die ich auf der anderen Seite der Straße gefahren bin. Die Städte und Orte die wir auf dem Weg besucht und entdeckt haben waren unheimlich schön. Die Wale die wir in Port Macquarie gesehen haben, die Aussicht vom Leuchtturm in Byron Bay, das Surfen im Surfers Paradise oder das Schnorcheln bei den Whitsunday Inseln waren nur einige unbezahlbare Erlebnisse, die wir in dieser Zeit teilen und erleben durften.

Dadurch, dass meine Universitätsstadt Newcastle nicht weit von Sydney entfernt liegt, habe ich häufig mit Freunden den Zug genommen und meine Wochenende in Sydney verbracht. Ich glaube ich habe erst beim dritten Besuch realisiert, dass ich gerade wirklich vor dem Opern Haus stehe und tatsächlich schon oder immer noch in Australien bin. Um ehrlich zu sein kann ich es in manchen Momenten immer noch nicht glauben dort gewesen zu sein.

Die Zeit die ich an der Universität verbringen durfte und die Zeit die ich mir selbst gestalten konnte und zum Reisen genutzt habe, werde ich niemals vergessen und ich kann es nur jedem weiterempfehlen. Wenn ihr die Möglichkeit habt ins Ausland zugehen, insbesondere nach Australien, dann nutzt diese Möglichkeit. Holt euch rechtzeitig Informationen ein und nutzt die Unterstützungen eurer Universität und des Ranke-Heinemann Instituts. Traut euch eine Bewerbung abzuschicken und traut euch über den Tellerrand zu blicken und neue, unbezahlbare und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Geht ins Ausland und kommt mit neuen Eindrücken und kostbaren, unvergesslichen Erinnerungen wieder.

So habe ich es jedenfalls gemacht.


Mit den besten Grüßen,

Anne

Mehr Eindrücke?

Lesen Sie auch unsere anderen Erfahrungsberichte.