Life is good down under

Jana Metzen | LLM Studentin


Wo
The University of Melbourne

Zeitraum
2018 - 2019

Was
Master of Laws

Studienprogramm
Masterstudium

Förderung
IRH Förderprogramm

30.01.2019

Definitiv eine andere Kultur des Zusammenlebens

Dass ich einen Master of Laws (LLM) in Australien machen wollte, stand für mich schon fest, bevor ich das erste juristische Staatsexamen absolviert hatte. Dennoch ist es mehr als nur ein kleines Abenteuer, für ein Studium nach Australien, im wahrsten Sinne des Wortes ans andere Ende der Welt, zu ziehen. Ich hoffe, dieser Erfahrungsbericht kann bei der Entscheidungsfindung eine Hilfestellung bieten. Vor allem hoffe ich, dass er Euch dazu ermutigt, diesen Schritt zu wagen. Ich verspreche, Ihr werdet es nicht bereuen! Ich hatte (und habe nach wie vor) die beste Zeit meines Lebens hier.

Die Vorbereitungen

Auch wenn es anfangs wie ein großer Schritt wirkt, war die Vorbereitung meines Auslandsaufenthaltes in Melbourne rückblickend sehr unkompliziert. Die Bewerbung über das Institut Ranke-Heinemann benötigt relativ wenig Vorbereitung (beim Zusammensuchen der erforderlichen Unterlagen hilft die Checkliste) und beim Ausfüllen der Bewerbungsformulare standen Ansprechpartner von Ranke-Heinemann zur Seite. Dadurch ist der Bewerbungsprozess überschaubarer und strukturierter als eine Bewerbung direkt über die Universität. Die Mitarbeiter des Instituts Ranke-Heinemann nehmen auch die Bewerbung bei der Universität über deren Online-Portal vor und koordinieren die weiteren Schritte der Bewerbung, insbesondere die Annahme des Studienplatzangebotes und die Anzahlung der Studiengebühren sowie der Gebühr für die Overseas Student Health Cover (OSHC).

Good to know: OSHC ist die Pflicht-Krankenversicherung, die internationale Studenten für ein Studium in Australien nachweisen müssen. Die OSHC wird von der Universität vermittelt und arrangiert, in meinem Fall über den Versicherer Bupa. Die Krankenversicherungskarte kann man sich dann in Australien an die dortige Adresse schicken lassen. Sollte eine medizinische Behandlung notwenig sein, ist zu beachten, dass nicht alle Ärzte, Krankenhäuser und Gesundheitszentren Vertragspartner aller Versicherer sind. Man sollte daher vor der Behandlung abklären, dass der Arzt Mitglieder der jeweiligen Versicherung annehmen und über den Versicherer abrechnen kann.

Ranke-Heinemann gewährt zudem eine Studienbeihilfe in Höhe von 10 % der Studiengebühren des ersten Semesters. Bei Studiengebühren in Höhe von über 20.000 australischen Dollar pro Semester (entsprechend etwa 13.000 Euro) macht sich das durchaus bemerkbar.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Bewerbungsprozess wirklich kein Grund ist, der einen von einem Studium in Australien abschrecken sollte. Die Anforderungen der Unis in Bezug auf TOEFL/IELTS sind (jedenfalls für die Fachrichtung Jura) nicht hoch und mit Hilfe der Ansprechpartner von Ranke-Heinemann sind die Formulare und Unterlagen schnell ausgefüllt und zusammengestellt.

Die ersten Wochen in Down Under

Wenn die Bewerbung erfolgreich war, das Studienplatzangebot angenommen ist und Visum und Flug arrangiert sind, ist die drängendste Frage die nach der Unterkunft. Vorab: Australien und insbesondere Melbourne und Sydney sind teuer. Man muss flexibel sein und darf nicht erwarten, dass man mit dem gleichen Budget wie in Deutschland eine vergleichbare Unterkunft findet.

Die gute Nachricht: Melbourne ist eine Studentenstadt, in der eine hohe Fluktuation in Bezug auf WG-Zimmer herrscht. Gleichzeitig ist der Wohnungsmarkt schnelllebig und kurzfristig (die meisten Wohnungsangebote sind ab sofort), sodass es nach meiner Erfahrung am einfachsten ist, sich vor Ort umzuschauen. Ich hatte für die ersten zwei Wochen ein Zimmer über Airbnb gebucht und habe dann vor Ort nach einer dauerhaften Lösung gesucht. Meine Erfahrung mit der Wohnungssuche war insgesamt sehr positiv und ich hatte bereits nach ein paar Tagen eine passende WG gefunden. Ich habe aber auch von Kommilitonen gehört, die deutlich mehr Schwierigkeiten hatten. Die Universität hat ein schwarzes Brett mit Wohnungsangeboten im Internet. Daneben sind flatmates.com.au und verschiedene Facebookgruppen (u.a. fairy floss) gute Anlaufstellen.

Neben der Wohnungssuche gehören die Eröffnung eines australischen Kontos und der Erwerb einer australischen Sim-Karte sicherlich zu den wichtigsten Dingen, die anfangs zu organisieren sind.

Das Institut Ranke-Heinemann vermittelt die Kontoeröffnung bei der ANZ Bank, einer der großen Banken in Australien mit zahlreichen Filialen in ganz Australien. Andere große Banken sind die Commonwealth Bank oder Westpac. Wie schon die Bewerbung selbst war auch die Kontoeröffnung denkbar einfach. Das Konto kann bereits von Deutschland aus in wenigen Schritten online eröffnet werden. Die Aktivierung erfolgt dann bei einer ANZ Filiale in Australien. Meine Erfahrungen mit der ANZ-Bank sowohl im Rahmen der Kontoeröffnung als auch seither sind durchweg gut. Nach der Antragstellung rief mich wenige Tage später ein Bankmitarbeiter an, um mich persönlich durch die weiteren Schritte der Aktivierung zu leiten. Bei jeglichen Fragen und Anliegen stehen die Bankmitarbeiter gerne zur Verfügung.

Good to know: In Australien kann man Beträge bis zu 100 AUD durch einfaches „tappen“ der Bankkarte bezahlen, ohne dass man zusätzlich seine PIN eingeben muss. Um einen Missbrauch dieser Fastpay-Funktion im Falle eines Verlustes der Karte zu vermeiden, bietet die ANZ Bank neben dem normalen „Access“-Kontos ein sogenantes „Online Saver“-Konto an. Dieses ist nicht mit der Bankkarte verbunden sodass auf das Guthaben mit der Karte nicht zugegriffen werden kann. Idealerweise hat man den Großteil seines Guthabens auf dem „Online Saver“-Konto und überweist regelmäßig nur einen relativ geringen Geldbetrag als Tagesgeld auf das „Access“-Konto.

Eine Prepaid-Simkarte der größten Mobilfunkanbieter in Australien (Optus, Telstra, Vodafone…) kann man bereits am Flughafen an einem Automaten oder in der Stadt in zahlreichen Filialen erwerben. Ich habe mir für die Zeit hier eine Prepaid-Simkarte von Vodafone besorgt. Vodafone ist im Vergleich zu den anderen Anbietern recht günstig und bietet ein Paket mit 1000 internationalen Freiminuten in 25 ausgewählte Länder (u.a. Deutschland) an, was sehr praktisch ist. Ein Vertrag, der einem noch bessere Konditionen bietet, hat eine Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr. Der Nachteil von Vodafone ist, dass die Netzabdeckung in ländlichen Gebieten relativ schlecht ist. Das ist insbesondere dann nervig, wenn man vorhat, viel zu reisen.

Was einem die ersten Wochen in Melbourne erleichtert, sind die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen hier. Man wird überall mit einem Lächeln und guter Laune begrüßt und man kommt in den alltäglichsten Situationen mit fremden Menschen ins Gespräch – definitiv eine andere Kultur des Zusammenlebens in der Großstadt als in Deutschland.

Das Leben in Melbourne

Melbourne ist nicht umsonst immer wieder als „lebenswerteste Stadt der Welt“ ausgezeichnet worden – und ist definitiv die bessere Stadt als Sydney ;-).

Zu den beliebtesten Stadtvierteln zählen Carlton, Fitzroy, North Melbourne, Brunswick und Richmond. Hier findet man unzählige Bars, Kneipen und Restaurants und man kann fast nicht an ein schlechtes Etablissement geraten. Ich wohne während meiner Zeit hier in Docklands, ein relativ neuer Stadtteil rund um den Victoria Harbour herum, der von den Melbournians noch nicht besonders viel Beachtung und Wertschätzung erfährt – meines Erachtens völlig zu Unrecht. Docklands liegt innerhalb der kostenlosen Free Tram Zone von Melbourne nahe des Yarra Rivers und bietet über dem Victoria Harbour mit die schönsten Sonnenuntergänge der Stadt (s. das erste Foto).

Einen besonders hohen Stellenwert für die Melbournians genießt Kaffee. Es gibt ein Café (Market Lane Coffee – definitiv empfehlenswert, insbesondere der Cold Drip Coffee ist hervorragend) in der Nähe der Uni, das den Slogan

„We love to make coffee for the city that loves to drink it“

im Schaufenster hat. Und das sagt eigentlich schon alles. Selbst der schäbigste coffee shop und jede noch so kleine Bäckerei haben eine Siebträgermaschine, mit der nahezu jede Kaffeevariation zur Perfektion gebrüht wird. Soja- und Mandelmilch gehören überall zum Standardangebot und wenn man seinen eigenen Becher mitbringt, bekommt man meistens noch ein paar Cent Rabatt.

Daneben ist Melbourne auch ein Mekka für jeden „Foodie“. Es gibt unzählige Restaurants jeder denkbaren Küche der Erde. Allerdings ist auswärts essen in Australien im Vergleich zu den Preisen in Deutschland sehr teuer. Ein Highlight der Stadt, wenn es um Essen geht, ist der Queen Victoria Market, auf dem man so ziemlich alles an Lebensmitteln (und sonstigem) findet, was das Herz begehrt, und das meistens günstiger als im Supermarkt. Auch die Uni hat jeden Mittwoch auf dem Campus einen Wochenmarkt.

In Melbourne ist permanent etwas los, der Veranstaltungskalender ist das ganze Jahr über gut gefüllt. Um nichts zu verpassen, lohnt es sich den Facebook-Profilen von Concrete Playground, Urban List, Time Out und What’s On Melbourne zu folgen. Langweile am Wochenende ist damit ausgeschlossen.

Das Studium an der University of Melbourne Law School

Die Melbourne University Law School ist nicht umsonst eine der besten juristischen Fakultäten der Welt. Das Kursangebot umfasst über 150 Kurse, aus denen man sich sein Studienprogramm (acht Kurse über zwei Semester) nach seinen persönlichen Interessen und Studienschwerpunkten maßschneidern kann. Neben dem allgemeinen Master of Laws, der einem den Titel „LL.M.“ verleiht, gibt es eine Vielzahl spezialisierter Masterprogramme mit entsprechend spezialisierten Bezeichnungen. Weil diese spezialisierten Programme nicht den in Deutschland bekannten Titel „LL.M.“ verleihen und man im allgemeinen Masterprogramm ebenfalls die volle Bandbreite an Kursen inklusive der spezialisierten Kurse zur Auswahl hat, würde ich empfehlen, sich für den allgemeinen Master einzuschreiben. Es besteht aber auch während des ersten Semesters noch die Möglichkeit, in die eine oder andere Richtung wechseln.

Die Kurse sind auf maximal 30 Studenten begrenzt und bieten damit eine angenehm intime und produktive Arbeitsatmosphäre. Einige Kurse werden sogar von zwei Professoren co-unterrichtet, die sich hinsichtlich ihrer Expertise oder beruflichen Ausrichtung ergänzen. Konzeptionell werden die meisten Kurse als Blockseminar von fünf vollen Tagen unterrichtet. Das ermöglicht es Studenten wie Professoren von außerhalb Melbournes, an dem Masterprogramm teilzuhaben. Dadurch und aufgrund der stark internationalen Ausrichtung der Law School gelingt es der Law School, hochangesehene Professoren und Experten in allen Bereichen und aus aller Welt als Gastprofessoren anzuziehen. Ich habe alle meine bisherigen Kurse sehr genossen und aus jedem Kurs weit mehr als allein juristisches Fachwissen mitgenommen.

Was die Prüfungen angeht, gibt es zwei Arten von Evaluierungen: Take-home exams (bei denen die Aufgaben Freitagmittag freigeschaltet werden und die Ausarbeitung bis Montagnachmittag abgegeben werden muss) und umfangreicheren Hausarbeiten, für die man einige Wochen Zeit hat. In vielen Kursen hat man sogar selbst die Wahl zwischen diesen beiden Möglichkeiten. Persönlich finde ich die Take-home exams einfacher und sie sind nach meinem Gefühl mit weniger Aufwand verbunden. Allgemein muss man definitiv keine Angst vor dem LLM-Studium hier haben. Das Niveau ist hoch aber zweifellos weniger anspruchsvoll als das Jurastudium und Referendariat in Deutschland.

Sowohl die Organisation der Universität als auch die Betreuung sind erstklassig. Am Anfang des Semesters organisiert die Universität eine Orientierungswoche für die neuen Masterstudenten. Die Orientierungswoche war super organisiert und vollgepackt mit Fach- und Freizeitprogramm und war eine tolle Gelegenheit, die Kommilitonen aus aller Welt näher kennenzulernen. Während der Orientierungswoche hat man auch die Möglichkeit, gemeinsam mit einem der Professoren seine Kurswahl und seinen Stundenplan zu besprechen. Egal, worum es geht – von Kurswechseln bis Recherchefragen – es ist immer ein Ansprechpartner bereit, der mit unendlicher Geduld, Freundlichkeit und Eifer jegliches Problem lösen kann.

 

 

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