Am Ende hat alles gut geklappt

Johanna Böhnke | Studentin an der TU Dortmund


Wo
La Trobe University

Zeitraum
2014

Was
Angewandte Kultur- und Literaturwissenschaften

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2014

Ein jeder Anfang ist schwer

Camper Australien

Eigentlich wollte ich nach Neuseeland. Eigentlich. Irgendwie bin ich dann doch in Australien gelandet. Ich weiß selbst nicht mehr genau wie es dazu kam, aber eins weiß ich: Bereuen tue ich es nicht. Ich glaube, endgültig entschieden an die La Trobe University in Melbourne zu gehen, habe ich mich etwa ein halbes Jahr bevor es eigentlich losging. Damals war alles noch ein wenig durcheinander. So wirklich wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Es gab noch so viel zu tun: Bafög beantragen, eine Wohnung suchen, Flüge buchen, mich für Kurse einschreiben und, und, und…

Teilweise hatte ich das Gefühl, das alles niemals schaffen zu können. Aber so viel sei verraten: Am Ende hat alles gut geklappt. Für mich hat sich gezeigt, dass es hilfreich ist, sich einen Überblick, über alles, was man noch so zu tun hat zu verschaffen. Ganz wichtig dabei ist es, Abgabefristen im Gedächtnis zu behalten. Sei es für die Bewerbung für ein Stipendium, für einen Wohnheimplatz oder für die Kursanmeldung.

Visum, Flug und Ankunft 

Als ich etwa zwei Monate vor Beginn des Studiums mein Visum beantragt habe, hatte ich schon Angst, dass sei zu spät. Völlig unbegründet, wie sich heraus stellte. Das Visum war bereits am nächsten Tag da. Ich habe es online beantragt. Das Ausfüllen dauert so seine Zeit, die Bearbeitung geht dafür sehr schnell. Und für alle die sich wundern, ob diese Email, die sie da bekommen haben, wirklich alles sein soll, was man braucht: Ja, das ist sie. Das Visum ist mit der Reisepassnummer verbunden und wird beim Scannen des Passes am Flughafen automatisch abgerufen.

Der Flug nach Melbourne war eine der Sachen, die mir am meisten Sorgen bereitet haben. 26 Stunden unterwegs sind eine wirklich lange Zeit und ich bin kein Mensch, der gut im Flugzeug schlafen kann. Insgesamt habe ich wohl auch nur etwa drei Stunden geschlafen, aber zum Glück war das mein einziges Problem. Ich hatte mit meinem Gepäck keine Probleme beim Zoll und wurde praktisch einfach durch gewunken. Anscheinend ist man dar in Melbourne etwas lockerer als an anderen australischen Flughäfen. Auch Emirates, die Airline, mit der ich geflogen bin und die ich nur empfehlen kann, ist was das Gepäck betrifft sehr entgegenkommend. Auf dem Rückflug hatte ich ein Kilo zu viel, was kein Problem war und auch, dass ich ein Handgepäckstück zu viel hatte, hat keinen interessiert.

Am Flughafen in Melbourne sollte ich eigentlich von einem Shuttlebus abgeholt werden. Das organisiert die La Trobe University umsonst. Dummerweise hatte das Buchungsystem Probleme, sodass ich nicht auf der Liste des Busfahrers stand. Am Ende musste ich also ein Taxi nehmen, das Geld dafür hat die Uni mir aber ohne weiteres erstattet. Ich hatte es nach nicht mal einer Woche wieder.

Warum La Trobe?

Wie schon gesagt, wollte ich eigentlich nach Neuseeland. Irgendwie bin ich dann aber doch auf die Idee gekommen, mich auch bei australischen Universitäten umzusehen und so bin ich auf die La Trobe University in Melbourne aufmerksam geworden. Melbourne war von Anfang an meine Traumstadt in Australien und La Trobe machte einen tollen Eindruck. Ein Pluspunkt war natürlich auch, dass die Studiengebühren verglichen mit anderen australischen Unis recht gering sind. Außerdem hat die La Trobe ein großes Angebot an Studienfächern. Ich studiere Literatur- und Kulturwissenschaften, was nicht an jeder Uni angeboten wird, an der La Trobe hatte ich jedoch kein Problem passende Kurse zu finden. Was mir ebenfalls besonders gut gefallen ist, ist dass die La Trobe eine Campusuni ist. Sie hat sogar den größten Campus auf der gesamten Südhalbkugel. Auf diesem Campus findet man wirklich alles, von Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, einem riesigen Sportangebot bis zum eigenen Wildlife Sanctuary. Theoretisch hätte man den Campus überhaupt nicht verlassen müssen, aber das ist in einer so wunderschönen Stadt wie Melbourne natürlich nicht zu raten. Als ich Kontakt mit der La Trobe aufgenommen habe, waren sie zudem sehr nett und hilfsbereit und meine Emails wurden immer schnell beantwortet, sodass ich sofort einen positiven Eindruck von der Uni gewonnen habe.

Wohnheimleben und Wohnungssuche

Für mich war relativ schnell klar, dass ich ins Wohnheim möchte. Ich fand die Wohnungssuche über mehrere 1000 km Entfernung doch etwas schwierig und so wollte ich auf der sicheren Seite sein und nicht am Ende in einem Kellerloch, das auch noch zwei Stunden von der Uni entfernt liegt landen. Solche Entfernungen sind in Melbourne nämlich ganz normal. An der La Trobe gibt es drei Wohnheime für Undergraduate Studenten – Chisholm College, Menzies College und Glenn College – und zwei Wohnheime für Postgraduate Studenten – Graduate House und Uni Lodge. Ich habe im Chisholm College gewohnt. Es ist das Wohnheim mit den meisten internationalen Studenten und zudem das günstigste der drei Undergraduate Wohnheime, da es weder ein eigenes Fitnessstudio noch eine Cafeteria hat. Dennoch bietet einem das Wohnheim ziemlich viel. Unter anderem kommt jeden Tag eine Putzfrau vorbei und Bettwäsche wird einem gestellt. Die Zimmer sind kleiner, als ich es aus deutschen Wohnheimen kenne und auch die Möbel sind nicht gerade Designerstücke. Aber man kann sich durchaus gemütlich darin einrichten und es ist zumindest alles da, was man braucht.

Rückblickend denke ich, dass es eine meiner besten Entscheidungen war, ins Chisholm College zu ziehen. Ich habe dort tolle Menschen aus aller Welt kennen gelernt und habe mich nie alleine gefühlt. Wohnheime in Australien sind sehr auf soziale Aktivitäten bedacht. Wahrscheinlich kennt jeder den berühmten IKEA Slogan „Wohnst du noch oder lebst du schon?“. Genau das beschreibt meine Wohnheimerfahrung eigentlich ganz gut. Ich hatte nicht nur einen Platz zum Schlafen, Essen und Duschen, sondern wurde Teil einer Gemeinschaft. Zum Einen hat fast jedes Wohnheim einen Common Room. Unserer war sogar besonders gut ausgestattet mit Kinoraum, Bibliothek, Pooltischen, Kickern und Tischtennisplatten. Zum Anderen werden im Laufe des Semesters viele soziale Events veranstaltet. Bei uns gab es zum Beispiel einen Ball, eine Trivia Nacht und eine Pyjamaparty.

Zugegeben, ab und an wird es im Wohnheim etwas lauter, das kann man nicht bestreiten. Jeden Donnerstag hatte die Unikneipe geöffnet und das konnte einem nicht entgehen, auch wenn man nicht selbst hin wollte. Es gab allerdings auch drei sogenannte Quiet Towers und in der Klausurphase war generell kein Lärm erlaubt.

Der Unialltag in Australien

Das Studiensystem in Australien unterscheidet sich doch stark von dem in Deutschland. Das fängt natürlich schon bei den Studiengebühren an. Man zahlt dabei für jeden Kurs einen bestimmten Betrag. Meist hat man allerding nur drei oder vier Kurse, die aus verschiedenen Einheiten bestehen. Für meine Kurse gab es beispielsweise meistens eine Vorlesung und ein Tutorium. Insgesamt kam ich damit nur auf zwölf Wochenstunden, was als Auslandsstudent, der neben der Uni auch noch etwas mehr vom Land sehen will, natürlich ideal ist.

Dafür muss man aber während des Semesters sehr viel mehr „Hausaufgaben“ machen, als ich es aus Deutschland gewöhnt bin. Das ist wahrscheinlich von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich, aber meistens kenne ich es in Deutschland so, dass man am Ende des Semesters eine große Klausur oder Hausarbeit schreiben muss und innerhalb des Semesters vielleicht mal ein oder zwei Essays, aber mehr auch nicht. In Australien gab es in meinen Kursen meist wöchentliche kleine Aufgaben und zusätzlich noch zwei bis drei große Assignments, aus denen sich die Note zusammensetzen.

Allgemein hatte ich den Eindruck, dass das Unileben in Australien sehr viel entspannter ist als in Deutschland. So spricht man z.B. alle Dozenten grundsätzlich mit dem Vornamen an. Teilweise wusste ich die Nachnamen meiner Profs überhaupt nicht. Dementsprechend locker wird auch in Vorlesungen und Tutorials diskutiert. In einer Vorlesung zum Thema „Professional Writing“ wurde über Facebook, Blogs, Twitter und co. gesprochen und jeder konnte frei Anekdoten aus dem eigenen Social Media Leben dazu beitragen. 

Mein Eindruck von Melbourne

Melbourne ist eine wunderschöne Stadt, die ich noch immer sehr vermisse. Nicht zu Unrecht wurde sie mehrmals zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt. In der Innenstadt sieht man fast immer irgendwelche Straßenkünstler und noch spät abends, wenn man auf die U-Bahn wartet, erklingt Gitarrenmusik. Aber nicht nur die Innenstadt ist sehenswert. Das tolle an Melbourne ist, dass man überall, egal wie weit vom Zentrum man entfernt ist, diese tollen kleinen Gassen mit niedlichen Cafés, Record Stores und Second Hand Läden findet.  

Mein Lieblingsviertel in Melbourne ist wohl St. Kilda. Das ist zwar auch ein typisches Touristenviertel, aber ich liebe den Strand und die vielen tollen Bars und Restaurants dort. Außerdem kann man sich hier die süßen kleinen Zwergpinguine anschauen. Weitere tolle Stadtteile von Melbourne waren für mich aber auch Northcote (was relativ nah an der La Trobe liegt), Brunswick und Fitzroy. Ich bin mir jedoch sicher, dass es da noch viele mehr gibt.

Melbourne ist keine Stadt wie Sydney mit ganz typischen Sehenswürdigkeiten wie der Harbour Bridge oder dem Opernhaus. Vielmehr ist vor allem die Atmosphäre der Stadt das, was ihren besonderen Charme ausmacht. Unbedingt ansehen sollte man sich aber wahrscheinlich den Bahnhof Flinders Street Station, die Promenade am Yarra River, China Town, das Stadion Melbourne Cricket Ground und die Queen Victoria Markets. 

Reisen in Australien

Wenn man schon einmal in Australien ist, dann möchte man sich natürlich nicht bloß einen Ort ansehen. Deshalb bin ich nicht nur in Melbourne geblieben, sondern häufig rumgereist. Dabei habe ich zum einen die Gegend um Melbourne herum erkundigt, aber auch ein paar Flüge gemacht. Relativ nah an Melbourne (zumindest für australische Verhältnisse) beginnt die Great Ocean Road, wohl eines der Must-See’s in Australien in jedem Touristenführer. Ich hatte leider Pech die Tour bei nicht ganz so gutem Wetter zu machen, dennoch war es ein sehr schöner Trip. An der Great Ocean Road treffen viele Naturformen aufeinander, was zusammen eine einzigartige Landschaft ergibt.

Ebenfalls etwas südlich von Melbourne liegt Phillip Island. Die Insel ist vor allem für ihre Pinguin-Parade bekannt. Gegen Abend kommen dort zahlreiche Zwergpinguine an. Doch die Insel hat noch viel mehr zu bieten. Die Strände und Klippen sind einfach wunderschön. Man hat fast schon das Gefühl in Neuseeland zu sein. Außerdem gibt es noch eine richtig tolle Schokoladenfabrik. Verhungern wird man dort also sicherlich auch nicht. 

Um nach Phillip Island und zur Great Ocean Road zu kommen, haben wir uns ein Auto bzw. einen Campervan gemietet. In Australien unter 21 einen Leihwagen zu bekommen, ist ziemlich schwierig. Wicked Camper ist da einer der wenigen Anbieter. Mit einem Wicked Camper Wagen ist man dafür aber definitiv der Hingucker, denn die Vans sind alle bunt bemalt oder haben zumindest ziemlich provokante Sprüche aufgedruckt.

Flüge in Australien sind bei Weitem nicht so günstig, wie ich eigentlich vermutet hätte. Ich dachte mir, weil es ja „nur“ Inlandflüge sind, sollten sie doch ziemlich günstig sein. Doch auch hier sieht man, dass in Australien eben vieles ein bisschen mehr kostet. Außerdem darf man natürlich nicht vergessen, dass das Land riesig ist und man ziemlich lange Strecken mit dem Flieger zurücklegen muss. Dennoch habe ich einige Flugreisen unternommen. In den Osterferien war ich in Sydney und als das Semester zu Ende war, bin ich nach Brisbane und Perth geflogen. Alle drei Städte haben mir sehr gut gefallen. Doch sehr gerne hätte ich noch sehr viel mehr gesehen. Von Brisbane aus sind ich und meine Mitbewohnerinnen noch nach Gold Coast und Noosa gefahren und mit meinem Freund habe ich eine Westküstentour gemacht, doch es gibt noch so viele Orte, die ich leider nicht gesehen habe. Cairns, Ayers Rock, Tasmanien und Darwin stehen alle noch auf meiner Liste.

Die australische Lebensweise

Schon bevor ich nach Australien geflogen bin, habe ich immer wieder gehört, dass die Leute hier viel offener, freundlicher und lockerer sein sollen. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, aber generell ist die Atmosphäre in Australien eine ganz andere als in Deutschland. Alles ist viel weniger hektisch und in Geschäften oder Cafés ist es ganz normal mit den Verkäufern ein wenig Smalltalk zu führen. Zuerst kam ich mir etwas blöd vor, wenn mich eine Verkäuferin mit „Sweety“ oder „Darling“ angesprochen hat, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und fand es eigentlich ganz nett.

In Australien gibt es viele tolle Cafés und Bäckereien – wenn es auch nicht das gute deutsche Vollkornbrot gibt – und ich bin hier wohl öfter Kaffee trinken gegangen als je zuvor. Generell gibt es in Australien eine große Auswahl an Restaurants aus verschiedensten Kulturen. Vor allem aus dem asiatischen Raum ist Vieles vertreten. An jeder Straßenecke findet man einen Sushistand und chinesische Dumplings sind eines der beliebtesten Fast Food Gerichte. Asiatisches Essen ist in Australien sogar ziemlich günstig. Während man in vielen Restaurants und auch beim Einkaufen oft mehr bezahlt als in Deutschland, spart man hierbei. Insgesamt kam mir Australien nicht so teuer vor, wie ich es vorher gehört habe. Außerdem ist zu bedenken, dass die Löhne in Australien sehr viel höher sind als in Deutschland. Davon kann man selbst als internationaler Student profitieren, denn das Visum erlaubt es einem neben der Uni arbeiten zu gehen. Ich habe das nicht getan, kenne aber ein paar Freunde, die einen Job gefunden haben, andere jedoch beschreiben die Jobsuche in Australien als schwierig.

Fazit

Ich kann nur jedem, der über ein Auslandssemester in Australien nachdenkt, empfehlen eines zu machen. Das Land bietet einem einen hohen Lebensstandard, tolle Reisemöglichkeiten, tolles Klima und nette Menschen. Die Kultur ist der deutschen in gewisser Weise ähnlich und dann doch wieder total anders. So fällt es einem leicht sich einzugewöhnen und man lernt doch etwas Neues kennen.

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