Die besten Monate eures Lebens!
Studentinnen in Australien

Svenja Haase | Studentin


Wo
The University of Western Australia

Zeitraum
2015 - 2016

Was
u.a. Gender in Australia, Italian Studies I, Reading Popular Culture, Language Learning and Multilingual World

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.01.2016

Eine Chance, die man wahrnehmen sollte

Collage Studium in Australien

Die Vorbereitungen

„Wieder nach Australien!“ hieß es vor etwa einem Jahr, wenn Freunde mich fragten, wo es für ein Auslandsjahr hingehen sollte. Nach dem Abi entdeckte ich bereits 2012/13 sechs Monate als Au Pair und Backpacker Australien. Offensichtlich hinterließ dieses Land so weit weg von zu Hause einen positiven Eindruck und bewegte mich dazu drei Jahre später zurückzukehren. Mit Land und Leuten war ich daher bereits vertraut, jedoch bedarf ein Auslandssemester weitaus intensivere Planung als ein Au Pair Aufenthalt. Sehr hilfreich ist es daher Messen oder Informationsveranstaltungen zu besuchen, wo sich Institute und Organisationen vorstellen, die bei der Bewerbung an einer ausländischen Universität helfen. An meiner Heimatuniversität besuchte ich etwa ein Jahr vorher eine Informationsveranstaltung und lernte das Institut Ranke-Heinemann kennen. Alles Weitere zum Bewerbungsprozess ist der Website des Instituts zu entnehmen. Ich lud mir also die Application Form meiner Wunschuniversität herunter und bewarb mich über das IRH. Schon wenige Wochen später hatte ich die Zusage und konnte es erst gar nicht glauben. Denn nun war es soweit sich um tausend Dinge zu kümmern: Wo wohne ich dort? Welche Kurse wähle ich? Wie finanziere ich meine Unterkunft? Wie finanziere ich überhaupt die Studiengebühren?

Für mich hatte die Frage der Finanzierung höchste Priorität. Das Problem war nämlich, dass ich mich für die University of Western Australia entschieden hatte, die keinen Kooperationsvertrag mit meiner Heimatuniversität hat. Das heißt, dass die Studiengebühren selber getragen werden müssen, die ziemlich hoch sind (etwa 8000€ pro Semester). Deshalb empfehle ich jedem Auslands-Bafög zu beantragen! Da der Bedarf im Ausland höher ist haben auch diejenigen eine Chance, die im Inland kein Bafög bekommen. Das Bafög-Amt für Australien ist in Marburg, aber die Bewerbung läuft nur per Post/E-Mail und Telefon. Informiert euch, denn ihr könnt bis zu 4.600€ als Zuschuss, 1000€ für den Flug und einen monatlichen Betrag erhalten. Wichtig ist, dass ihr es so früh wie möglich beantragt! Ihr könnt zum Beispiel die Zusage der Uni noch einreichen, aber wenn ihr euch früh beworben habt, wird euer Antrag auch früher bearbeitet. Neben dem Auslands-Bafög habe ich einen Studienkredit von der DKB aufgenommen, um die Gebühren zu bezahlen. Da ich zwei Semester an der UWA bin, konnte ich während des ersten Semesters mein monatliches Bafög sparen, um die Gebühren im zweiten Semester zu bezahlen. Das bringt mich auch schon zum zweiten Punkt: die Unterkunft!

Generell ist Australien im Vergleich zu Deutschland sehr teuer und ein WG-Zimmer kostet zwischen 150$ und 400$ pro Woche. Lebensmittel, Internet und Kosten für Freizeit kommen aber auch noch hinzu. Da das für mich zu teuer gewesen wäre, organisierte ich mir im Vorneherein einen Job als Au Pair. Ich fand eine Familie, die ein Au Pair für 15-20 Stunden die Woche braucht und Unterkunft und Mahlzeiten zur Verfügung stellt. Meine persönliche Empfehlung ist euch keinen Job zu suchen, der euch mehr als 20 Stunden die Woche kostet. Ob Au Pair (bzw. in meinem Fall Demi Pair/Part time Au Pair) das Richtige ist, muss jeder selbst entscheiden. Ich hatte außerdem Glück mit der Familie und habe ein großes Zimmer, in dem ich in Ruhe für die Uni lernen kann. Die Stundenanzahl ist genau richtig und ich hatte es einfacher mich einzuleben, da die Familie sehr herzlich ist. Auf diese Weise habe ich die gesamten Kosten für Unterkunft und Verpflegung gespart. Neben diesen Möglichkeiten gibt es noch die Colleges (Studentenwohnheime). Die Website der UWA gibt darüber viel Auskunft, ABER es ist sehr teuer. Monatlich müsst ihr ungefähr mit 500€ aufwärts rechnen.

Nachdem die Frage der Finanzierung und Unterkunft geklärt war, stellte sich die Frage der Kurswahl. Sprecht mit euren Dozenten in Deutschland und schaut in eure Studienordnung und dann in die Handbooks der ausländischen Universität. Vielleicht findet ihr Units (Module), die zu den Modulen passen, die ihr in Deutschland noch abschließen müsst. Auf der anderen Seite solltet ihr aber auch gucken, ob ihr eine Unit findet, die ganz abseits eures Studiengangs liegt und für die ihr euch einfach interessiert. Schließlich soll das Studium hier euren Horizont erweitern und euch inspirieren. Als Study Abroad Student habt ihr relativ viele Freiheiten bei der Auswahl, müsst aber bei Rückkehr gucken, ob ihr die Units anerkannt bekommt. Ich werde nach meiner Rückkehr mit der Dozentin an meiner Heimatuniversität sprechen, die für die Anerkennung von erworbenen Leistungen im Ausland zuständig ist. Verloren ist die Zeit hier auf keinen Fall. Macht euch außerdem nicht verrückt, wenn ihr noch nicht wisst, ob eure Auswahl die richtige ist. Ihr könnt eure Units nach der Ankunft ganz problemlos ändern. Die Uni und das Study Abroad Office hilft euch dabei.

Die Uni, der Campus und mehr

Nach einem Semester an der UWA kann ich sagen, dass ich hier eine einzigartige Erfahrung gemacht habe und diese mein Studium und Leben in Deutschland sicherlich bereichern wird. Die Uni ist hier etwas anders organisiert als in Deutschland. Man hat meistens eine Vorlesung und ein Seminar, die aufeinander aufbauen. Die Seminare verlangen allerdings meistens mündliche Mitarbeit, die dann zu einem gewissen Prozentsatz (meistens 10%) in die Endnote miteingeht. Außerdem muss man während des Semesters kurze Essays oder andere

Assignments einreichen, die auch in die Endnote miteingehen. Die Klausur am Schluss des Semesters zählt somit meistens nur noch zu 50 oder 60%. Die UWA hat eine sehr gute Betreuung und die Seminare und Tutorien haben mir immer sehr viel Freude bereitet.

Der Campus ist riesig, aber doch recht übersichtlich und man findet einfach alles auf dem Gelände. Es gibt ein Fitnessstudio, mehrere Cafés und Restaurants, und vieles mehr. Es wird außerdem extrem viel für die internationalen Studenten angeboten. Wir sind fast jede Woche, besonders zu Beginn des Semesters, zu Events und Partys eingeladen worden und hatten neben dem Studium eine fantastische Zeit. Nehmt diese Chancen unbedingt wahr und nehmt an allem teil! Ihr werdet es nicht bereuen und die besten Monate eures Lebens haben!

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