Four seasons in one day

Johanna Bauer | LL.M. Studentin


Wo
The University of Melbourne

Zeitraum
22.02.2016 - 21.02.2017

Was
Rechtswissenschaften

Studienprogramm
LL.M. - Master of Laws

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2017

LL.M. an der University of Melbourne

Gruppenfoto vor dem Parlament

Seit Februar 2016 absolviere ich meinen Master of Laws (LL.M.) an der University of Melbourne, den ich voraussichtlich im Februar 2017 abschließen werde.

Bewerbung und Vorbereitung

Bereits während des Ersten Staatsexamens reizte mich die Idee, nach dem Abschluss des Studiums in Deutschland einen Master in Australien zu machen. Nicht nur wollte ich meine sprachlichen Fähigkeiten verbessern und mein deutsches Rechtsverständnis um eine internationale Perspektive erweitern, mich faszinierte auch die Aussicht ein Jahr in einem so spannenden Land zu verbringen und es besser kennen zu lernen.

Da Melbourne nicht nur eine Stadt mit hohen Lebenshaltungskosten ist, sondern auch die Hochschule beträchtliche Gebühren erhebt, war insbesondere die finanzielle Förderung durch das Institut Ranke-Heinemann ein zusätzlicher Anreiz, das Vorhaben „Studium in Down Under“ zu wagen – welches ich, wie sich herausstellen würde, nicht bereuen würde.

Der Bewerbungsprozess bei der University of Melbourne war dank der Unterstützung des Instituts Ranke-Heinemann deutlich einfacher als erwartet. Neben der Übersetzung und Übermittlung aller Unterlagen an die Gastuniversität war meine Ansprechpartnerin mir auch bei allen Fragen zu Studium, Visum und dem Aufenthalt behilflich und hat mich fachkundig durch den gesamten Organisationsprozess geführt. Eine große Erleichterung war auch die Möglichkeit, über das Institut bereits vorab aus Deutschland ein australisches Konto zu eröffnen. 

Ankunft

Bei meiner Ankunft in Australien fühlte ich mich dementsprechend gut informiert und gut vorbereitet. Das Semester startete im Februar mit einer Einführungswoche, in der wir mit der Universität vertraut gemacht wurden und zahlreiche praktische Tipps (z.B. zur Benutzung der Bibliothek, zur Recherche in den Online-Datenbanken, zu den Anforderungen für die Examina) sowie einen Überblick über das australische Rechtssystem erhielten.

Zwar bestand das offizielle Programm der Einführungswoche weniger aus Kennlern-Veranstaltungen, sondern eher aus Einführungsvorlesungen – dazwischen und abends blieb aber genug Zeit, mit den anderen Studenten in Kontakt zu kommen und es bildeten sich schnell Freundesgruppen die bis heute bestehen. In den ersten Wochen waren wir dementsprechend zunächst damit beschäftigt, die Stadt und die Uni zu erkunden und haben zahlreiche gemeinsame Ausflüge unternommen.

Studium & Leben in Melbourne

Kurz nach der Einführungswoche starteten dann die ersten Kurse. Der LL.M. an der University of Melbourne besteht aus acht Kursen, die über den Zeitraum von zwei Semestern absolviert werden. Jeder Kurs besteht aus einer Woche „Teaching Period“ und einem „Assessment“. Zur Vorbereitung auf die Kurse gibt die Universität umfangreiche Materialien aus, die von den jeweiligen Professoren zusammengestellt wurden. Der Kurs selbst besteht dann aus 5 aufeinanderfolgenden, ganztägigen Unterrichtstagen. Da die Teilnehmerzahl auf etwa 25 Personen begrenzt ist, ähnelt der Unterricht eher einem Seminar als deutschen Uni-Vorlesungen. Als Abschlussprüfung ist für jeden Kurs entweder eine umfangreiche Hausarbeit zu einem selbst gewählten Thema zu erstellen oder in einem dreitägigen „Take-Home-Exam“ mehrere vorgegebene Fragen zu beantworten.

In meinem ersten Kurs „Fundamentals of the Common Law“ wurden wir mit dem australischen Rechtssystem und den Grundsätzen der australischen Rechtsprechung vertraut gemacht. Darauf folgte „Global Commercial Contract Law“ in welchem es um Vertragsgestaltungen bei internationalen Verträgen ging. Im Mai belegte ich „Business and Human Rights“, wo wir die Verantwortung internationaler Unternehmen hinsichtlich Menschenrechtsverletzungen diskutierten. Darauf folgte „Negotiation Skills“, ein eher workshop-artiger Kurs, in welchem wir in verschiedenen Rollenspielen erfolgreiche Verhandlungsführung üben konnten. In „International Trade Law“, meinem ersten Kurs im zweiten Semester, wurde die praktische Seite internationaler Verträge wie z.B. Transport und Zahlung beleuchtet.

Insgesamt haben mir alle Kurse bisher sehr gut gefallen. Obwohl ich erst etwas über die Hälfte meiner gewählten Kurse besucht habe, konnte ich meine Kenntnisse in meinem bisherigen Schwerpunktgebiet Handels- und Wirtschaftsrecht bereits erheblich vertiefen und vor allem um eine internationale Perspektive erweitern. Besonders gut gefällt mir, dass die meisten Kurse Theorie und Praxis verknüpfen und damit nicht nur rechtliches Wissen, sondern auch praktische Kenntnisse über die Thematik vermitteln.

Auch der interaktive, seminarartige Unterrichtsstil unterscheidet sich erheblich von deutschen Hochschul-Vorlesungen, was eine ganz andere Form der Teilnahme ermöglicht. Dadurch, dass an den meisten Kursen Studenten verschiedenster Nationalitäten teilnehmen, erhält man interessante Einblicke in fremde Rechtskulturen und völlig neue Perspektiven auf verschiedene Rechtsfragen.

Auch im privaten Umfeld ist die internationale Zusammensetzung des Jahrgangs sehr bereichernd und es ist überaus interessant, so viele Menschen mit ganz unterschiedlicher Kultur und Herkunft kennen zu lernen. Abgesehen von spannenden rechtlichen oder politischen Diskussionen habe ich meine Kommilitonen aber auch als wahre Freunde zu schätzen gelernt. Wir haben während des ersten Semesters viele gemeinsame Ausflüge in die Gegend unternommen und sind unter anderem die Great Ocean Road abgefahren, in Wilsons Promontery Nationalpark gewandert, an die Strände der Mornington Peninsula gefahren und haben Adelaide besucht. Auch einen Besuch am St. Kilda-Pier zum „Pinguin-Watching“ sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Stadt Melbourne ist unheimlich vielfältig und zeichnet sich durch ausgesprochen guten Kaffee, zahlreiche „Food-Markets“ und insgesamt eine sehr lockere und entspannte Atmosphäre mit freundlichen und aufgeschlossenen Menschen aus. Nur das Wetter entspricht leider keinesfalls dem typischen australischen Klischee – stattdessen wird die Stadt ihrem Ruf „four seasons in one day“ zu durchleben durchaus gerecht und im Winter kann es sogar ziemlich kalt werden.

Neben dem Studium bin ich der „University of Melbourne Choral Society“ beigetreten. Mit diesem interdisziplinär besetzten Chor haben wir Ende Mai in Melbournes berühmter Konzerthalle Hamer Hall die „Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams aufgeführt. Außerdem nehme ich am Mentoren-Programm der Universität teil, welches Studenten die Möglichkeit gibt mit australischen Juristen aus dem eigenen Rechtsgebiet in Kontakt zu kommen.

Fazit

Die letzten Monate waren nicht nur ausgesprochen lehrreich im Hinblick auf meine akademischen und sprachlichen Fähigkeiten, sondern haben mich auch in persönlicher Hinsicht ungemein bereichert. Schon jetzt ist die Zeit in Melbourne für mich eine einmalige Erfahrung die sicherlich unvergesslich bleiben wird.

Zum Abschluss geht daher mein herzlicher Dank an das Team vom Institut Ranke-Heinemann nicht nur für die großzügige finanzielle Unterstützung, sondern auch für die kompetente Beratung und die enorme Hilfe während der gesamten Vorbereitungsphase, die mein Vorhaben „Studium in Down Under“ erheblich erleichtert und zu einem großartigen Erlebnis gemacht hat.

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