Ich kann jedem das Studium hier in Sydney empfehlen

Marcus Orthey | Masterstudent


Wo
Western Sydney University

Zeitraum
2015 - 2016

Was
Master of Business (Marketing)

Studienprogramm
Master

Förderung
IRH Förderprogramm

31.01.2016

Master of Business an der Western Sydney University

Bondi Beach

Studienwahl:

Zunächst einmal war für mich die Frage, nach dem Bachelor, will ich überhaupt weiter studieren oder vielleicht doch nicht lieber anfangen zu arbeiten. Da ich zu dem Zeitpunkt schon 26 war und kurz darauf 27 wurde, war für mich die Überlegung, dass ein zweijähriger Master zu lange ist. Nach einer gewissen Recherche fand ich heraus, dass man den Master im Bereich Marketing auch in einem Jahr machen könnte. Jedoch fand ich diesen nur in Schweden, in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Australien. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für Australien, da die Studiengebühren in den USA zu hoch waren und Schweden zu nah an Deutschland liegt. Ich wollte einfach die Erfahrung machen, ganz allein mit einer neuen Situation klar zu kommen. Gerade die 16.000km zwischen Deutschland und Australien, erlauben nicht „mal kurz" über das Wochenende nach Hause zu fliegen.

Da ich in meinem Bachelor Studiengang (Wirtschaftswissenschaften mit ökonomischen Wahlprofil, Universität Hohenheim) nicht der Überstudent war, entschied ich mich die Hilfe der Ranke-Heinemann Stiftung in Anspruch zu nehmen, da ich zum Einen mir größere Chancen ausrechnete und zum Anderen, dass eine ehemalige Kollegin hierbei schon positive Erfahrungen gemacht hat.

Studium (erste Eindrücke) / Universität:

Die Universität bot einen „Orientation Day", sowohl zunächst nur für internationale Studenten und darauf auch einen allgemeinen für alle Studenten an. Als ich am ersten Orientation Day teilnahm, war ich etwas überrascht. Ich war der einzige Europäer zwischen hauptsächlich indischen und asiatischen Personen. Dies war für mich zwar kein Problem, allerdings doch ein wenig überraschend. An diesem Tag erhielt ich Informationen zur Universität, Sicherheit und Ähnlichem. Konkrete Informationen zu unserem Studiengang sollten wir am allgemeinen Orientation Day erhalten. Meine Verunsicherung stieg ehrlich gesagt, als ich mit einigen Studenten vor Ort gesprochen habe und keiner meinen Studiengang wählte. Ich hoffte daraufhin, dass beim nächsten Orientation Day ich meine Kommilitonen kennen lernen würde. Da die Universität scheinbar hier einen Kommunikationsfehler machte, war ich beim allgemeinen Orientation Day der einzige Student meines Studiengangs. Um ehrlich zu sein, war das ein wenig demotivierend, da ich somit keine neuen soziale Kontakte und Freunde finden konnte.

Ein weiterer Dämpfer war das ich nicht an dem normalen Campus (Parramatta) studiere, sondern im City Campus (Parramatta City). Der normale Campus ist großflächig mit viel Grün und auch direkt an dem Studentenwohnheim gelegen. Der City Campus dagegen ist eine mehrstöckiges Bürogebäude. Man kommt sich also so vor als würde man in einem Office studieren als an einer Universität. Die Vorlesungszeiten sind hauptsächlich abends zwischen 18-22 Uhr, da viele ihren Master in Teilzeit absolvieren. Sprich tagsüber arbeiten und 1-2 Mal abends noch  an die Uni. Eine Vorlesung geht offiziell also 4 Stunden mit 15min Pause, allerdings beendeten die Professoren diese meist bereits so gegen 21.15 Uhr.
Momentan wird ein neues Gebäude in Parramatta City gebaut, wo ab 2016/17 die Master-Studiengänge stattfinden sollen. Über die Ausstattung kann man sich nun wirklich nicht beschweren. Es gibt in jedem Stockwerk mehrere moderne PC's und Flachbildfernseher, die man jederzeit benutzen kann.

Das Studium an sich dagegen ist super. Ich kann mich absolut nicht beschweren. Alles ist sehr interaktiv, die Professoren kennen die Namen der Studenten und veranstalten viele In-Class Aktivitäten, heißt der Professor hält nicht 4 Stunden einen Vortrag, sondern bindet die Studenten in die Vorlesung mit ein.  In meinem ersten Quarter wählte ich die Fächer Marketing Systems und Business Marketing. Man studiert im Masterprogramm in Quartern heißt 10 Wochen Vorlesung dann die Abschlussprüfung, eine Woche Pause und dann geht es weiter. In dem Studium hat man 6 Fächer die man belegen muss plus ein Business Project oder Internship. Darüber hinaus kann man noch weitere Fächer hinzuwählen. Dies tat ich beispielsweise mit Business Marketing. Man sollte allerdings nicht mehr als 2 Fächer pro Quarter belegen, da dies sonst einfach zu viel wird. In den 10 Wochen muss man in jedem Fach zwei Assignments absolvieren. Sprich zum einen so etwas wie eine indivduelle Hausarbeit und dann noch einen Gruppenarbeit. Diese kann man aber nicht mit den deutschen Seminararbeiten vergleichen, da man hierbei lediglich 500-1500 Wörter schreiben muss/darf. Diese Assignments sind aber alles andere als „trockene" Arbeiten, sondern sehr interaktive Case Studies. So musste ich beispielsweise in Marketing Systems die Einflüsse eines besprochenen Marketing Systems anhand von YouTube Videos in einer Form von Storytelling darstellen. Ich hatte so etwas noch nie davor gemacht und war definitiv mal etwas anderes und spannendes.
Die Anzahl der Studenten in den Kursen betrug am Anfang ca. 25 und wir endeten mit 15 Personen. Heißt, die Kurse sind nicht überfüllt und die Atmosphäre zum Studieren ist sehr angenehm. Man geht also in der Menge nicht unter.

Leben in Sydney:

Meine Unterkunft ist ein Zimmer in dem WSU Village (Studentenwohnheim) in Parramatta. Man hat alles was man benötigt und lernt auch schnell andere Menschen kennen. Wenn man aber auf der Suche nach einem sauberen Wohnort ist, dann ist das schon etwas schwieriger. Ich habe mir in dem Village 5 Wg-Zimmer angeschaut, bevor ich eins gefunden hatte das sauber war. Dies ist nach Gesprächen mit anderen Leuten allerdings nicht nur in dem Village so. Scheinbar sind die Australier und anderen Nationalitäten oftmals nicht so reinlich wie wir Deutschen, wobei ich mich alles andere als ein Sauberkeitsfanatiker bezeichnen würde.

Möchte man feiern gehen oder was unternehmen, dann ist man in Parramatta an der falschen Adresse. Hier hat es zwar eine große Mall, eine Straße mit lauter Restaurants (Church Street / George Street) und ein Kino aber damit hat es sich auch schon. Es gibt hier einen Club, der aber meist leer ist. Sprich man muss in die Stadt. Hierzu nimmt man entweder den Zug oder den  Bus. Man kann also (vom Village aus) in 50 Minuten in der Stadt sein und dort gibt es alles was das Herz begehrt und damit meine ich auch wirklich alles. Super Clubs, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und auch der Strand ist in der Nähe. Da ich eher ein Club- als Bargänger bin, mag ich die „Home Bar" und die „Star Bar" am meisten. Nicht vom Namen abschrecken lassen, beides sind Clubs. Die Home Bar hat 3 Floors (meist House, Hip-Hop und Electro)  und in der Starbar läuft meist mixed music. Was ein kleiner Wehrmutstropfen ist, dass die Clubs meist um 3 oder 4 Uhr schließen. Dies ist leider ein Gesetz, da viele gerade junge Australier ihren Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle haben. Darüber hinaus erhält man nach 0 Uhr auch keine „Shots" mehr, was bei meiner ersten Bestellung auch zu einer Verwirrung führte.
Das Heimkommen ist allerdings kein Problem. Es fahren stündlich Nachtbusse zurück nach Parramatta.
Feiern gehen in Australien ist deutlich teurer als in Deutschland. Ein Bier kostet ca. $8-9 und ein Vodka Bull beispielsweise $11-13. Gerade bei hochprozentigem sind die Mischungen sehr schwach, weshalb ich rate davon die Finger zu lassen. :-)

Die Preise für Lebensmittel sind zwar etwas höher aber immer noch im Rahmen. Hier in der Nähe gibt es mehrere Aldis wo man kostengünstig einkaufen kann und mehrere Coles, die mit Edeka oder REWE vergleichbar sind.

Die Menschen hier sind sehr freundlich, allerdings kann dies sich je nach Herkunft ändern. Gerade bei Asiaten und Indern haben so manche Australier ihre Vorurteile. Europäern oder Amerikaner hingegen sind sie sehr offen gegenüber. Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht.

Alles in Allem, kann ich jedem nur das Studium hier in Sydney empfehlen. Die Stadt hat so einiges zu bieten und gerade das Wetter war für mich ein Grund dem kalten Deutschland zu entfliehen und mich vorerst einmal für das nächste Jahr hier in Sydney niederzulassen.

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