So worth it!
Student Auslandssemester Australien

Jan Linus Buck | Student an der Ruhr Universität Bochum


Wo
Edith Cowan University

Zeitraum
2017

Was
Wirtschaftswissenschaften

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.12.2017

Den Horizont erweitern und einmalige Erfahrungen sammeln

Erfahrungsbericht Buck Auslandssemester Edith Cowan University

Als ich mich entschied ein Semester in Australien zu studieren um Auslandserfahrungen zu sammeln, war sofort klar, dass es nach Perth in WA gehen sollte. Da von meiner Uni aus, (der RUB) keine realisierbare Möglichkeit bestand über eine Kooperation nach Australien zu gehen, machte ich mich auf die Suche nach einer Organisation die mich unterstützen konnte. Eine Freundin hat mich dann auf das Ranke-Heinemann Institut aufmerksam gemacht. Nachdem ich mich auf der Website von der Unterstützungsleistung und dem breiten Angebot an Universitäten überzeugt habe, entschloss ich mich an die Edith-Cowan-University in Joondalup zu gehen. Die weitere Organisation lief sehr gut und reibungslos und die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen des Instituts war sehr unkompliziert. Besonders entgegen kam mir die Tatsache, dass meine Abiturnote in Englisch als Sprachnachweis ausreichte und ich mir so einen kostspieligen und zeitaufwendigen Sprachtest sparen konnte. Hinzu kommt noch die Studienbeihilfe für Gastsemester in Höhe von 5% der Studiengebühren, die einen Zuschuss von fast 250 Euro bedeutet.

Für die Finanzierung eines Auslandssemesters würde ich definitiv noch einmal auf die Unterstützung des Ranke-Heinemann Institutes und des Auslandsbafög-Amtes in Marburg setzen. Letzteres ist zwar mit relativ viel Papierkram verbunden, lohnt sich aber ungemein.

Ankunft

Um ein wenig Zeit vor Ort zu haben bevor die Uni anfängt, habe ich meinen Flug für Mitte Juli gebucht. Dies bedurfte zwar etwas Organisationsaufwand, um das vorige Semester in Bochum abzuschließen, war letztlich aber kein Problem. So hatte ich gut 2 Wochen um in Perth anzukommen bevor das neue Semester anfing. Diese Zeit würde ich jedem empfehlen der es irgendwie einrichten kann. Ich habe sie genutzt um Perth’s Stadtzentrum zu erkunden, Vororte wie Fremantle, Stadtteile und Strände zu besuchen, einfach anzukommen und natürlich eine Wohnung zu finden.

Über Gumtree, die australische Kleinanzeigen Website auf der man alles kriegt, (Fahrrad, Auto, Dach über’m Kopf oder auch Jobs) habe ich letztendlich eine Bleibe in direkter Uninähe finden können. Für mich war das perfekt: 5 Minuten zu Fuß zur Uni, 10 Minuten zum Bahnhof am größten Einkaufszentrum in WA und 20 Minuten mit dem Rad zum Mullaloo Beach. Im Lakeside Center findet man alles was man braucht: vier Supermärkte, Klamotten, verschiedene Take-aways und drei große Kaufhäuser. Außerdem gibt es in Joondalup, genau wie in Perth CBD einen Central Area Transit, kurz CAT- Bus, der einen gratis und alle 15 Minuten vom Bahnhof durch Joondalup bis zur Uni fährt. Das erleichtert Einkäufe zu transportieren und von A nach B zu kommen ungemein, denn gerade wenn es heiß wird nimmt man gerne den Bus.

Location

Im Zentrum auf dem Campus der ECU in Joondalup gibt es einen kleinen See um den herum es einige Sitzmöglichkeiten gibt auf denen man seine Lunchpause verbringen kann. Rundherum befinden sich die verschiedenen Uni Gebäude mit Hörsälen, Seminarräumen und Laboren. Es gibt 2 Cafes an denen man immer einen Snack oder ein warmes Essen bekommt und direkt an den Hauptgebäuden der Uni, der Bibliothek und dem Student Central, gibt es auch eine der berühmten Boost Juice Bars. Besonders empfehlenswert an heißen Dienstagen, da kosten die Säfte nur 5 Dollar. Im Student Central und in der Bibliothek gibt es jede Menge Personal die einem bei jedem seiner Fragen helfen können und auch tatsächlich wollen.

Außerdem gibt es noch die ECU Student Guild, der Studentenverein, der jedem Studenten beratend zur Seite steht, kostenloses Essen ausgibt und einen used-book-shop führt. Zusätzlich ist die Student Guild erster Kontaktpunkt für internationale Studenten bei jeglichen Fragen. Hier am besten die Facebook Seite liken und Beiträge verfolgen, denn jedes Semester wird auch ein Ausflug für internationale Studenten angeboten, der eine Stadionführung, Tickets für ein Spiel inklusive Verpflegung und Transport und einen Fan Schaal der West-Coast Eagles für nur 20$ beinhaltet. So Worth it!

Der Student Guild untergeordnet ist der Sport-Verein ECU Jets. Viele Studenten betreiben hier verschiedene Sportarten mit nicht-Studenten, die auch Teil der Teams sind, da diese in Community- Ligen gemeldet sind. Es gibt also wöchentliches Training und Spiel am Wochenende gepaart mit netten Leuten die einen in meinem Fall sehr gut aufgenommen haben. Ich kann nur empfehlen sich einer Mannschaft anzuschließen, selbst wenn man den Sport noch nie betrieben hat, kann man teilnehmen und viele nette Freundschaften zu schließen.

Leben in WA

Im Allgemeinen kann man sagen, dass das Leben in Australien ein bisschen teurer ist, als wir es aus Deutschland kennen. Wenn man Lebensmittelpreise vergleicht sind diese den deutschen ähnlich, aber was die Miete angeht, muss man mit etwas mehr rechnen. Ich habe für mein möbliertes Studio in Uninähe 280 Dollar die Woche bezahlt, was im Monat dann auf etwa 800-900 Euro inklusive Nebenkosten kommt. Im Nachhinein musste ich feststellen, dass unmöblierte Häuser in der Gegend für nur 80$ mehr vermietet werden, die dann aber 3-4 Schlafzimmer haben. Daher würde ich jedem der Gesellschaft mag, empfehlen sich ein Zimmer in einem Sharehouse zu suchen oder mit ein paar Freunden ein leeres Haus anzumieten. Alkohol ist sehr teuer, Sprit, Kleidung und Elektronik dagegen sind sehr günstig zu haben. Außerdem haben viele Geschäfte Bargain- Preise, das bedeutet man kann beim Elektronik- (JB Hifi) und Fahrrad-kauf (99 Bikes) den Preis runterhandeln. Günstig einkaufen kann man auch sehr gut bei Bunnings (Baumarkt) und Kmart (alles).

Die Australier sind ein teils verrücktes, oft komisches und doch sehr sympathisches Volk. Man sieht viele verrückte Menschen in der Stadt, Menschen die rumschreien, ihren Müll einfach irgendwo liegen lassen und so weiter. Aber schwarze Schafe gibt es überall, die meisten Australier genießen ihren entspannten Lifestyle, arbeiten hart und feiern ihr „Aussie-Barbie on the beach“ und relaxen. Nur mit der Uhrzeit sollte man es meistens nicht ganz so eng sehen, und wenn man etwas will, muss man da hinterher sein.

Mir persönlich hat die Nähe zum Strand und zum Meer besonders gefallen. Man kann immer einfach mal zum Strand fahren (20 min Rad) und eine Runde schwimmen. Es gibt tolle Radwege, sei es an der Küste von Mullaloo nach Hillarys, um den Lake Joondalup herum oder in der Innenstadt entlang des Swan River.

ECU

Die Edith Cowan University selbst hat ein sehr vielseitiges und komplexes Angebot an Studiengängen (=Courses) und daher auch an wählbaren Units (=Kursen). Besonders empfehlen kann ich hier Sportkurse, sowohl theoretische wie „Sport Venues and Events“ oder auch „Psychology of Sport and Exercise“, als auch sportpraktische Kurse.

Allgemein gilt: Es sind kleinere Kurse in denen meist ein besonderer Fokus auf den praktische Bezug und die Umsetzung in die Praxis gelegt wird. Hinzu kommt das nicht wie in Deutschland nur eine Prüfung am Ende des Semesters ansteht, sondern mehrere Leistungen auch im Laufe des Semesters abgelegt werden müssen. So kann ein Kurs beispielsweise mit der Abgabe eines Essays (30%), dem Einreichen einer Gruppenarbeit (30%) und dem Ablegen einer Klausur am Ende des Semesters abgeschlossen werden. Dies bedeutet mehr Arbeit innerhalb des Semesters, dafür hat man aber meist schon vor der finalen Klausur genug Punkte, um den Kurs zu bestehen. So entsteht keine Drucksituation am Ende des Semesters, sondern es bedarf Planung und Organisation der Arbeiten und Abgabetermine um gut durch das Semester zu kommen. Meine Professoren waren stets sehr engagiert und haben immer betont für jeden Studenten zu jeder Zeit ansprechbar zu sein.

Für die persönliche Kursauswahl gilt: Der Campus Joondalup im Norden von Perth, halbe Stunde mit Bahn oder Auto ins CBD oder Mount Lawley Campus dichter in der Innenstadt sind mit wohnen in Perth oder eben Joondalup vereinbar, Bunbury ist eine knapp 3 Stündige Autofahrt in Richtung Süden. Und: die erste Zahl in der Kurs ID zeigt an für welches Studienjahr der Kurs vorgesehen ist und induziert so den Schwierigkeitsgrad der Unit.

Die Kursanerkennungen war generell nicht all zu kompliziert. Es empfiehlt sich aber, diese vor der endgültigen Kurswahl (zwei Wochen nach Semesterbeginn) anhand der Unit-Info aus dem Online-Handbook mit den Lehrstühlen der deutschen Uni abzusprechen und festzuzurren. Am besten ist es das Kursanerkennungs-Prozedere für mehrere Kurse durcharbeiten um auf eventuelle Kursausfälle vorbereitet zu sein und auf andere Kurse ausweichen zu können.

Perth und Umgebung

In Perth sollte man definitiv für ein Picknick am War Memorial über den Dächern der Stadt und einen Spaziergang durch den Botanischen Garten über die gläserne Brücke zum DNA Tower Aussichtspunkt in den Kings Park fahren. Außerdem hat man auf der südlichen Seite des Swan River, an den Narrows, einen außergewöhnlichen Blick auf Perth’s Skyline, kleine Strände und einen gratis Parkplatz in laufbarer Distanz zur Stadt.

Außerdem sollte man auf jeden Fall mindestens ein Mal (so lange wie möglich) mit der Fähre und einem Fahrrad nach Rottnest Island fahren. Hier kann man die Autofreie Insel gut einmal komplett umfahren, mit etwas Glück Wale und Quokkas beobachten, in tollen Strandbuchten baden und Wracks und zahlreiche Fische erschnorcheln.

In der Umgebung Perth’s lohnt es sich für einen Stadtbummel den Zug nach Fremantle (Sonntags Markets) und Mandurah (mit etwas Glück sieht man Delfine) zu nehmen oder mit einem Auto eine Stunde nach Norden in den Yanchep National Park (Koalas und Kängurus) zu fahren. Wenn man mehr Zeit und ein Auto zur Verfügung hat, lohnen sich längere Ausflugstouren nach Esperance (schneeweiße Strände), Margaret River (Weinregion und traumhafte Küste) und definitiv nach Exmouth (Ningaloo Reef, schnorcheln vom Strand).

Nicht zu unterschätzen ist die australische Hitze, die in Perth und WA auch besonders drückend werden kann. Diese Hitze ist aber nicht schwül, sondern eher sehr trocken, sodass diese auch gerne als „Lizzard-Heat“ bezeichnet wird und betont wird wie „toastie“ es doch heute wieder wäre.

Abschließend würde ich persönlich jedem der in Perth ein Auslandssemester machen möchte, empfehlen sich eine Bleibe möglichst dicht an der tollen Stränden zu suchen, ein Fahrrad zu kaufen und sich den Jets anzuschließen.

Grundsätzlich kann ich jedem nur den Schritt zum Auslandssemester ans Herz legen. Insbesondere in Australien und natürlich im etwas abgeschlagenen Perth wird diese Unternehmung aber dank der sympathischen und offenen Australier und der atemberaubenden Natur zum einmaligen und prägenden Erlebnis.

Mir hat es geholfen meine Sprachkenntnisse zu verbessern, ich habe neue und viele Freundschaften zu Menschen aus aller Welt geschlossen, konnte meinen Horizont erweitern und viele einmalige Erfahrungen machen.

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