Howyoudoing?

Wiebke Andersen | WiWi-Studentin aus Aachen


Wo
The University of Auckland

Zeitraum
2015

Was

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH-Förderprogramm

31.12.2015

Der Lebensstil am anderen der Welt

Neuseeland

Die Qual der Wahl – wo soll ich studieren?

Als ich mich für eine Universität für mein Auslandssemester entscheiden sollte, stand ich wie viele sicherlich vor der Qual der Wahl, wo möchte ich hin? Relativ früh stand für mich fest, dass ich in Neuseeland studieren möchte, was die Wahl der Universitäten deutlich eingrenzte. In meiner Auswahl hatte ich die Victoria University of Wellington und die University of Auckland. Ich habe mich für die University of Auckland entschieden und die Wahl keine Sekunde bereut. Ein paar Gründe dafür waren zum Beispiel die Größe, die University of Auckland ist die größte Neuseelands. Aber auch kleinere Faktoren wie die geografische Lage spielten eine Rolle, da mein Semester ab Juli, also im Winter, beginnen sollte wollte ich nicht während meines Auslandssemesters in „windy Wellington“ frieren. Von beiden Universitäten hatte ich im Voraus viel Gutes gehört, weshalb es wirklich an kleineren Argumenten lag. In meinem Bachelorstudiengang ist ein Auslandssemester verpflichtend, sodass schon von Beginn meines Studiums feststand, dass ich zwischen April und Dezember 2015 ins Ausland gehen werde. Ich habe mich sehr früh für die University of Auckland entschieden und mich schon im September 2014 beworben. Das ist jedoch sehr früh gewesen, die Bewerbungsfristen gehen noch etliche Monate länger. Ich persönlich fand es aber beruhigend zu wissen dass ich schon den ersten Schritt geschafft habe und an meiner Wunschuni akzeptiert wurde. Die Semester in Neuseeland starten in der Regel Ende Februar/ März und Mitte Juli. Mein Semester hat am 23.07. angefangen. Ich würde empfehlen euch mit dem Auslandssemester mindestens ein Jahr im Voraus zu beschäftigen und mit den Univesitätsauswahlen zu beginnen, weil auch danach noch sehr viel zu organisieren ist.

Die Ankunft

Nach einem 30 Stunden Flug bin ich endlich in Auckland angekommen. Ich bin mit Emirates geflogen, sodass ich nur einmal das Flugzeug wechseln musste, nämlich in Dubai. Leider ist der Flug nicht direkt nach Auckland, da Emirates auf dem Weg nach Neuseeland in Australien stoppen muss, meist Sydney oder Melbourne. Dieser Aufenthalt dauert jedoch keine Stunde und ich fand es ganz angenehm mal ein bisschen die Beine zu vertreten. Die Ankunft in Auckland verlief sehr reibungslos, mein Gepäck rollte schon über das Gepäckband als ich dort antraf und den Biosecurity Check habe ich sehr schnell hinter mich bringen können – das ist jedoch reine Glückssache, wenn man Pech hat kann man auch schonmal ganz schön lange in den Schlangen warten. Da das Personal aber am Flughafen mehr als freundlich ist, ist es auch gar nicht so schlimm sich dort ein wenig aufzuhalten. Sehr wichtig ist, dass man alles deklariert und die Regel lautet besser zu viel zu deklarieren als etwas zu vergessen. Darauf steht nämlich eine Geldstrafe in Neuseeland, besonders Outdoormaterial wie Wander- oder Laufschuhe und Essen sollte unbedingt angegeben werden (auch wenn es nur eine Packung Kaugummi ist ;)).

Die University of Auckland bietet einen Flughafen Abholservice an, den ich nur wärmstens empfehlen kann. Der ist zum einen kostenlos und zum anderen ist es ein schönes Gefühl wenn auf der anderen Seite der Welt jemand auf einen wartet. Mitunter kann man dadurch auch erste Mitstudenten kennenlernen.

Parnell Student Village – the place to live

Würde ich ein weiteres Auslandssemester machen, würde ich wieder dort einziehen. Das Parnell Student Village liegt in Parnell, einem sehr schönen Ortsteil von Auckland direkt an der wunderschönen Auckland Domain und dem War Memorial Museum. Zwar ist der Fußweg zur Uni etwas länger als von den anderen Wohnheimen, der Weg ist aber so schön dass es sich schon fast lohnt ein paar Meter in Kauf zu nehmen jeden Tag. Er führt durch die Domain mit ihren skurrilen Bäumen, Palmen und Teichen, manchmal laufen einem auch ein paar Gänse über den Weg. Auckland ist auf Vulkanen erbaut, weshalb der Rückweg von der Uni auch mal etwas anstrengend sein kann, die Aussicht und Natur entschädigen jedoch dafür wie ich finde. Das Wohnheim selber ist nicht einfach ein riesiger Betonklotz wie die meisten Wohnheime, sondern es sind Holzhäuser wo in der Regel zwischen 4 und 5 Studenten drin wohnen. Die einzelnen Zimmer haben alle einen Balkon oder Zugang zu dem Garten, ich hatte dadurch jeden Tag Aussicht auf Palmen und den Skytower. Das Student Village gehört zu den älteren der Universität, wodurch andere Studentenwohnheime auf den ersten Blick attraktiver scheinen, ich kann es trotzdem nur jedem ans Herz legen. Die Gemeinschaft die durch die offenen Häuser entsteht ist nicht zu unterschätzen, man sieht ständig andere Studenten wodurch keine Einsamkeit aufkommen kann. Vor allem für internationale Studenten ist es ein gutes Wohnheim, da die Uni dort jedes Semester viele Internationals einziehen lässt. Zwischen 50 und 70% der Bewohner sind Internationals, wodurch man wirklich sehr schnell Anschluss findet. Zudem wurden regelmäßig Veranstaltungen organisiert oder zu gemeinsamen Movie Nights eingeladen, wodurch ich sehr viele Freunde in Parnell gefunden habe.

Howyoudoing? – Der Lebensstil am anderen der Welt

Mit diesem genuschelten „How are you doing“ oder einem „How are you“ wird in Neuseeland jeder herzlich begrüßt. Und damit ist nicht nur die Ankunft am Flughafen gemeint, egal was man in Neuseeland macht und wohin man kommt, jede Begegnung beginnt mit einem leichten Smalltalk. Dadurch fühlt man sich schnell willkommen, was sehr hilfreich ist wenn man ganz neu im Land ist. Ich habe im Voraus sehr oft gehört dass die Kiwis sehr hilfsbereit und freundlich sind – und auch ich kann das nur bestätigen und so weiter geben. Mir ist es zum Beispiel passiert dass ich wohl etwas orientierungslos gewirkt habe und bevor ich jemanden nach dem Weg fragen konnte, wurde ich auch schon angesprochen, ob man mir denn weiterhelfen kann.

Der Neuseeländer ist entspannt und nimmt die Dinge wie sie kommen. Ist das WLAN kaputt, ist das WLAN nun mal kaputt. Kommt der Bus nicht, dann kommt der Bus halt nicht. Beschweren liegt generell nicht in der Natur der Neuseeländer, viele würden sich noch nicht mal beschweren wenn sie statt eines Medium Steaks einen trockenen Waschlappen serviert bekommen würden. Diese Art und Weise mit dem Leben umzugehen ist vermutlich der Grund dafür, warum die Menschen in Neuseeland so zufrieden sind. Diese Gelassenheit wirkt sich auch in der Mode aus, kaum jemand macht sich die Mühe sich für die Uni richtig zu stylen, Gemütlichkeit steht auch hierbei im Vordergrund.

Sogar bei alltäglichen Dingen wie Bus fahren legen Neuseeländer eine bestimmte Freundlichkeit an den Tag. Der Busfahrer wird von jedem Fahrgast begrüßt und beim Aussteigen wird laut „Thank you“ gerufen. Dem Bus muss man übrigens winken wenn er vorbeifährt, um ihm zu signalisieren dass er anhalten soll – das ist ganz wichtig, sonst hält der Busfahrer nicht an und man verpasst den Bus.

Auckland – the City of Sails

Auckland ist mit rund 1,4 Millionen Einwohnern die größte Stadt Neuseelands, wodurch man die Vorteile einer Großstadt genießen kann, jedoch ohne den Stress und die Hektik der häufig mit großen Städten in Verbindung gebracht wird. Auch wenn viele (vor allem Backpacker) häufig nicht sehr begeistert von Auckland sind, kann ich diese Abneigung nicht nachvollziehen. Die Stadt ist von fast allen Seiten vom Meer umgeben, es gibt wunderschöne Parks mitten in der Stadt, Vulkane, sehr viel grün, sogar ein paar Wasserfälle und sehr viele Möglichkeiten die Freizeit zu gestalten. An manchen Tagen kann man im Hafen sogar Wale oder Delfine sehen. Die Stadt selbst hat sehr viele Kaffees und Restaurants, auch das Nachtleben kann sich sehen lassen. Durch die große Vielfalt an Kulturen gibt es in Auckland kulinarisch (fast) alles was das Herz begehrt. Regelmäßig finden am Hafen Food Festivals statt, auch die Anzahl an Food Trucks nimmt zu. Da gibt es zum Beispiel die White Lady, die in Downtown auch nachts Feierlustige mit leckeren Burgern versorgt. Oder aber die Chocolate Boutique in Parnell, die so ziemlich jeden Schokoladentraum erfüllt, zu sehr günstigen Neuseeland Verhältnissen.

Auckland ist auch bekannt als City of Sails und das zu Recht, es gibt kaum einen Tag wo kein Segelboot zu sehen ist. Für Wassersportler daher ein idealer Ort zum Leben. An einem schönen Tag kann man daher vom Mount Victoria in Devonport einen wunderschönen Blick auf die Skyline erhaschen mit vielen Booten im Vordergrund.

Ein weiterer sehr schöner Ort in Auckland ist Mount Eden, von wo aus man die meist wunderschönen Sonnenuntergänge über der Stadt beobachten kann. Schöne Ausflugsziele sind auch Waiheke Island und Rangitoto, die beide zu Auckland gehören und mit der Fähre erreicht werden können.

Die Universität

Die University of Auckland ist die größte Universität in Neuseeland und es studieren dort momentan 40.000 Studenten. Ich habe ausschließlich Vorlesungen auf dem City Campus gehabt, der für mich in 20 Minuten zu Fuße zu erreichen war. Auf dem City Campus befinden sich die Faculties of Engineering, Business, Science und Arts, wodurch immer sehr viele Studenten auf dem Campus sind. Der Campus ermöglicht es, alle wichtigen Dinge direkt dort zu erledigen. Es gibt eine Arztpraxis (mit wirklich sehr netten und kompetenten Ärzten), eine Apotheke, eine Poststelle, einen Supermarkt, Banken, Cafes, Restaurants, Bars und eine Marktfläche an der donnerstags immer ein kleiner Markt stattfindet. Das macht den Campus zu einer kleinen Stadt für sich, was ich sehr genossen habe. Vom Campus sind es rund 10 Minuten bis zur Queenstreet, der Haupteinkaufsstraße in Auckland über die man auch in den Business District gelangt. Die Universität liegt daher sehr zentral. Ich studiere International Management und habe Marketing und Management Vorlesungen besucht. Ich hatte pro Kurs 3 Stunden die Woche, das kann jedoch nach Studiengang variieren. Meine Vorlesungen waren sehr interessant gestaltet und die Dozenten waren wirklich engagiert und waren auch außerhalb der Vorlesungen für Fragen zu erreichen. Das Studiensystem in Auckland sieht zwei Prüfungsphasen im Semester vor. Die eine ist um die Mid-Semester break die bei mir Anfang September lag und eine am Ende des Semesters. Dadurch wird der Prüfungsstress ein wenig verteilt, was gar nicht so schlecht ist wenn man als internationaler Student viel reisen möchte. Ich kann nicht sagen dass das Semester für mich ein reines Urlaubssemester war, da durch die kleinen Assignments während des Semesters wie Essays, Präsentationen oder Tests immer etwas zu tun war, machbar war das jedoch alles. Bei vielen meiner Freunde war das anders, die hatten zum Beispiel nur Klausuren in der Mitte und am Ende des Semesters, das ist ganz abhängig vom Studiengang und dem Jahr in dem man studiert. Genügend Zeit zum Reisen und Spaß haben war aber definitiv vorhanden !

Fazit

Neuseeland ist ein tolles Land und ich würde es genauso nochmal machen. Würde ich etwas ändern? Vermutlich nur, dass ich länger über den Sommer bleiben würde, um mit wärmeren Temperaturen zu reisen, das ist jedoch alles. Ich habe in Neuseeland viel lernen können und sehr viele Erfahrungen machen dürfen. Für die Planungsphase am Anfang kann ich die Unterstützung des Instituts Ranke-Heinemanns sehr empfehlen. Sie hilft offene Fragen zu klären und unterstützt bei der Kommunikation mit der Universität, was ich als sehr entlastend empfand wenn ich einen Blick auf meine riesige To-Do Liste geworfen habe. Sobald alles organisiert ist und ihr in Neuseeland angekommen seid kann ich nur empfehlen: reist was das Zeug hält und schaut euch so viel an wie es geht! Auch wenn man das vermutlich schon oft gehört hat – die Zeit rast und vergeht besonders im Auslandssemester viel schneller als einem lieb ist. Daher nutzt die Wochenenden und die Study Breaks für Ausflüge und Kurztrips, es lohnt sich!

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