Ich freue mich auf die zweite Hälfte meines Neuseeland Jahres

Helena Jochem | Masterstudentin


Wo
Victoria University of Wellington

Zeitraum
2015 - 2016

Was
Master of Laws

Studienprogramm
LL.M.

Förderung
IRH Förderprogramm

30.04.2016

Master of Laws an der Victoria University Wellington

Studentin in Neuseeland

Ich habe mit Unterstützung des Ranke Heinemann Institutes (RHI) im Jahr 2015/2016 einen Master of Laws (LLM) an der Victoria University Wellington (VUW) absolviert. Dieser Erfahrungsbericht soll einen Einblick in Organisation und Ablauf eines LLM Studium in Neuseeland geben und eine erste Information für Studenten sein, die sich ebenfalls für einen LLM interessieren.

1. Organisation und Finanzierung

Der LLM wird meist nach dem ersten oder nach dem zweiten juristischen Staatsexamen absolviert. Ich selbst habe mich für letzteres entschieden.

Klarer Vorteil der LLM Programme in Neuseeland und Australien gegenüber Angeboten in den USA ist, dass keine sehr langen Vorlaufzeiten für die Organisation benötigt werden.

Die VUW bietet zweimal im Jahr – jeweils im März und im Juli – eine Startmöglichkeit für den 12-monatigen LLM. Offizieller Bewerbungsschluss ist Anfang Januar bzw. Ende April. Die benötigten Unterlagen sind überschaubar. Ich würde jedoch empfehlen, sich frühzeitig um das Transcript von der Universität zu kümmern. Dieses wurde von der VUW auch nach einem abgeschlossenen zweiten Staatsexamen verlangt.

Falls man sich für ein Stipendium bewerben möchte, kann jedoch eine frühzeitige Bewerbung bei der VUW notwendig sein. Als Tipp sei hier angemerkt, dass man bei erfolgreicher Bewerbung bei der VUW immer die Option erhält, den Studienstart um ein Semester zu schieben. Das kann insbesondere dann interessant sein, wenn man sich sowohl die Möglichkeit eines Verbesserungsversuches im Staatsexamen offen halten will als auch die Fristen für Stipendien einhalten möchte.

Bedenken sollte man bei der Zeitplanung auch, dass die Ausstellung des Studenten Visums offiziell bis zu drei Wochen in Anspruch nehmen kann. Voraussetzung für die Erteilung des Visums ist die Bestätigung der VUW, dass die gesamten Studiengebühren überwiesen wurden. Meine 4 Wochen Vorlaufzeit waren daher bereits knapp bemessen.

Das RHI ist bei den administrativen Dingen stets eine große Hilfe gewesen und übernimmt auch die Kommunikation mit der VUW bei Problemen.

Meinen Flug habe ich über ein heimisches Reisebüro gebucht. Ein Jahresticket mit flexiblem Rückflugdatum lag bei ca. 1500 Euro.

Die Finanzierung der Studiengebühren ist im Vorfeld sicherlich mit die größte Schwierigkeit. Auch wenn die Studiengebühren mit denen in den USA nicht vergleichbar sind, muss man mit ca. 20.000 Euro rechnen. Der DAAD sowie das RHI bieten Stipendien an. Die Einhaltung der Bewerbungsfristen erfordert eine frühzeitige Bewerbung bei der VUW (s.o.)

2. LLM an der Victoria Universität

Die VUW bietet zwei verschiedene Optionen an, um den LLM zu erlangen. Die Erste ist der LLM by Coursework. Die Zweite der LLM by Dissertation. Ich habe mich für den LLM by Coursework entschieden.

Bei dieser Form kann man zwischen verschiedenen angebotenen Kursen (jeweils 20 bis 40 Punkte) wählen und muss sich sein Programm mit 120 Punkten zusammenstellen. Es lohnt sich, sich bereits vor Abreise über die jeweils angebotenen Kurse online zu informieren. Eine erste Auswahl der gewünschten Kurse ist vor Abreise an die VUW zu übermitteln, jedoch können Änderungswünsche innerhalb der ersten Wochen des Semesters erfolgen.

Die juristische Fakultät befindet sich direkt neben dem Bahnhof in einem sehr schönen, historischen Gebäude. Der Pipitea campus liegt damit etwas entfernt von dem Hauptcampus (Kelburn campus), der sich oberhalb der Innenstadt auf einem Hügel befindet.

Die Masterkurse finden in einer Klassenstärke mit ca. 10-20 Teilnehmern zusammen mit den neuseeländischen LLB Honour Students statt. Diese Studenten sind die besten zehn Prozent der Bachelor Studenten, die mit Teilnahme an einzelnen Masterkursen einen besonders qualifizierten Abschluss erwerben. Diese Mischung habe ich als sehr angenehm empfunden. Es bietet sich zudem die Gelegenheit, Kontakte mit Neuseeländern zu knüpfen.

Anders als von dem deutschen Studiensystem gewohnt, bestehen die Masterkurse meist aus Präsentation der Teilnehmer zu einem selbst gewählten Research Topic und einer größeren Abschlussarbeit. Prüfungen gibt es nicht. Meist muss ein kleineres Seminarpaper (3000 Wörter) vorbereitet werden, das in einem 50 minütigen Vortrag mit der Klasse diskutiert wird. Aktive Teilnahme wird hier erwartet und geschätzt. Die Abschlussarbeit ist meist eine erweiterte Version des Seminarthemas (zwischen 7500 und 15000 Wörtern). Es ist, angesichts der Länge der Seminararbeiten, zumindest nicht von Nachteil auch wirklich ein Interesse an dem gewählten Thema zu haben. 15000 Wörter entsprechen immerhin knapp 50 Seiten.

Der Umgang mit den Professoren ist sehr entspannt und es wird sich generell geduzt. Viele bieten sehr flexible Sprechzeiten an oder helfen bei Schwierigkeiten mit dem Thema oder der Recherche. Darüber hinaus bietet die VUW auch extra Grammatik- und Sprachkurse an, um am Englischen zu feilen.

3. Wellington – Wohnen, Leben und Umgebung

Was das Leben in Wellington angeht, so habe ich das Gefühl, genau die richtige Stadt für einen einjährigen Aufenthalt gefunden zu haben: Keine unüberschaubare Großstadt, aber trotzdem lebendig, mit sehr guten Freizeit- und Kulturangeboten und einer perfekten Lage für weitere Ausflüge in die Umgebung.

Nach meiner Ankunft habe ich mir in Wellington selbst ein Zimmer in einer WG gesucht. Auf Facebook finden sich Gruppen, in denen die meisten Angebote landen. Das neuseeländische Ebay und WG-Gesucht ist www.trademe.co.nz. Dort sind ebenfalls Wohnungsangebote zu finden. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, sich von der Uni ein Zimmer in einem Wohnheim oder einem Häuserkomplex für Studenten vermitteln zu lassen. Diese liegen meist in Kelburn nahe dem Hauptcampus. Andere gute Wohngegenden sind Te Aro, Mount Victoria und Mount Cook. Für ein Zimmer müssen ca. 400-500 Euro pro Monat einkalkuliert werden. Gezahlt wird pro Woche. Ich würde bei Anreise im Sommer darauf achten, dass das Haus über eine gute Heizung verfügt. Im Winter kann es in den schönen, aber meist schlecht isolierten, viktorianischen Häusern sehr schnell kalt werden.

Wellington gilt als die Kaffeehochburg Neuseelands. Fast an jeder Ecke findet man kleine Cafés mit hervorragendem Kaffee. Also unbedingt einen „Flat white“ bestellen. Auch kulinarisch bietet Wellington einiges. Es gibt viel asiatisch geprägte Küche, aber auch europäische Restaurants und klassisch amerikanische Burger Läden. Meine Tipps sind u.a: Leeds Street Bakery, Library Bar, Sweet Mothers Kitchen, Goldings Bar, Flight Coffee Hangar.

Außerdem gibt es in der Innenstadt zwei Supermärkte. Einen größeren New World an der Waterfront und eine kleinere Filiale in der Willis Street. Lebensmittel sind im Schnitt 20% teurer als in Deutschland. Milchprodukte noch um einiges mehr. Empfehlenswert für Obst und Gemüse ist der Markt an der Waterfront. Jeden Sonntag Vormittag kann man hier frisch einkaufen und durch den hervorragenden Foodmarket schlendern. Hier findet sich Paella neben Crépes, original französischen Croissants und deutschen Backwaren.

Gefeiert wird in Wellington rund um den Courtney Place. Man sollte sich einfach durch den Abend von einer Bar zur nächsten treiben lassen.

Wer Wellington nach ein paar Wochen erkundet hat, kann von dort aus perfekt zu Touren durch den Rest Neuseelands aufbrechen.

Ich selbst war im August auf der Südinsel nahe Queenstown beim Skifahren. Ein Wahnsinnserlebnis für alle, die etwas für Wintersport übrig haben. Bei dieser Gelegenheit seien auch die vielen Sportclubs der VUW erwähnt. Der Ski- und Snowboardclub organisiert regelmäßig preisgünstige Ausflüge zu den Skigebieten auf der Süd- und Nordinsel. Wer sich für Rudern oder Segeln im Wellington Harbour interessiert, findet über solche Gruppen ebenfalls eine gute und oft günstige Möglichkeit.

Die vielen Wanderwege werde ich im Sommer, welcher noch vor mir liegt, erkunden.

Ich freue mich auf die zweite Hälfte meines Neuseeland Jahres und hoffe mein Bericht hilft bei der Entscheidung, ob Wellington auch das Richtige für den ein oder anderen Leser ist!

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